Lucid: Kein Chapter 11, keine Privatisierung, klares Dementi
Lucid hat Gerüchte über eine mögliche Privatisierung oder einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 entschieden zurückgewiesen. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die kursierenden Behauptungen als falsch. Gleichzeitig betont Lucid, man verfüge über ausreichend Liquidität, um den Betrieb bis ins nächste Jahr zu finanzieren.
Auslöser war ein Bericht, nach dem strategische Optionen wie Going Private oder Insolvenzschutz geprüft würden. Die Reaktion an der Börse fiel brutal aus, die Lucid-Aktie brach im Tagesverlauf massiv ein.
Aktie extrem volatil, Handel zeitweise ausgesetzt
Im Nachmittagshandel fiel die Aktie zwischenzeitlich um bis zu 57% auf 2,37 US-Dollar, bevor sich der Kurs teilweise erholte. Wegen der starken Schwankungen wurde der Handel mehrfach ausgesetzt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Maximaler Kursrutsch (intraday) | bis zu 57% |
| Tiefstkurs im Verlauf | 2,37 US-Dollar |
| Finanzierungsreichweite laut Lucid | bis ins nächste Jahr |
| Stellenabbau USA (unter neuem Chef) | ca. 18% |
| Mögliche Kürzungen Europa (im Raum stehend) | bis zu 40% |
| Ausgesetzte Produktionsprognose 2026 (zuvor) | 25.000 bis 27.000 Fahrzeuge |
AlixPartners ist an Bord, aber laut Lucid nicht für Insolvenzpläne
Lucid bestätigt, dass man das Beratungsunternehmen AlixPartners konsultiert hat. Laut Hersteller geht es dabei um bessere Umsetzung und optimierten Betrieb, nicht um die Vorbereitung eines Insolvenzszenarios.
Lucid betont, AlixPartners unterstütze bei Umsetzung und Betrieb, empfehle jedoch keine Insolvenz, und es gebe keinen Sonderausschuss des Vorstands für die gemeldeten Szenarien.
Warum Investoren trotzdem nervös sind
Lucid steht trotz milliardenschwerer Rückendeckung durch den saudischen Public Investment Fund weiter unter Druck. Themen wie schwache Nachfrage, hoher Cash-Burn und wiederkehrende Kapitalbeschaffung lassen Investoren daran zweifeln, wie schnell die Firma skalieren und profitabel werden kann.
Unter CEO Silvio Napoli wurden bereits spürbare Einschnitte umgesetzt. In den USA wurden rund 18% der Belegschaft abgebaut, in Europa stehen laut internen Planungen ebenfalls deutliche Kürzungen im Raum. Zudem wurde die Führungsstruktur verschlankt, unter anderem durch das Streichen der COO-Rolle.
Gravity-Verzögerung: Produktionsziel 2026 vorerst kassiert
Zusätzlicher Stressfaktor ist das SUV Lucid Gravity. Lucid hatte im Mai seine Produktionsprognose für 2026 (zuvor 25.000 bis 27.000 Fahrzeuge) ausgesetzt. Als Grund wurden Zulieferprobleme genannt, die die Auslieferung des Gravity verzögerten.
Eine neue Prognose soll nach einer strategischen Überprüfung nachgereicht werden. Anfang August will Lucid zudem die Halbjahreszahlen veröffentlichen, es ist der erste vollständige Finanzbericht unter Napoli.
Was bedeutet das für E-Autofahrer in Europa?
Für Besitzer und Interessenten ist die wichtigste Nachricht: Lucid stellt den Betrieb nicht ein, zumindest nach eigener Aussage ist die Finanzierung bis ins nächste Jahr gesichert. Kurzfristig ändert das nichts an Fahrzeugen auf der Straße, aber es beeinflusst die Planbarkeit bei Service, Ersatzteilen und Restwert.
Der Kurscrash zeigt aber, wie dünn die Nerven am Markt sind. Wenn du generell Wert auf ein besonders stabiles Marken Umfeld legst, lohnt sich auch ein Blick auf Hersteller mit hoher Stückzahl und dichtem Servicenetz. Bei Lucid bleibt entscheidend, ob Gravity wieder sauber anlaufen kann und ob die nächste Prognose glaubwürdig ist.
Elektroquatsch-Meinung: Das Dementi reicht nicht, jetzt zählen Zahlen
Ein schnelles Dementi stoppt keine Spekulation, wenn gleichzeitig Restrukturierung, Stellenabbau und ein ausgesetztes Produktionsziel im Raum stehen. Für Lucid wird der nächste harte Prüfstein der Finanzbericht Anfang August. Der wird zeigen, wie belastbar die Aussage zur Liquidität ist und ob das 2026-Ziel realistisch wieder auf den Tisch kommt.



