Zuwachs für die MB.EA-M-Plattform: Der elektrische GLC wird bezahlbarer
Mercedes-Benz drückt aufs Tempo bei der Elektrifizierung seines wichtigsten SUV-Kernsegments. Nachdem der vollelektrische GLC auf der dedizierten MB.EA-M-Architektur (Mercedes-Benz Electric Architecture Mid-Size) im ersten Schritt ausschließlich als hochpreisiges Flaggschiff GLC 400 4MATIC bestellbar war, öffnen die Stuttgarter nun die Bestellbücher für zwei deutlich günstigere Modellvarianten. Mit dem heckgetriebenen GLC 250 und dem allradgetriebenen GLC 300 4MATIC sinkt die finanzielle Einstiegshürde in die elektrische Premium-Mittelklasse um mehr als 6.500 Euro, ohne dass Kunden das Gefühl eines kargen Sparkurses in Kauf nehmen müssen.
Der strategische Vorstoß kommt zur rechten Zeit, denn das Duell mit dem direkten bayerischen Erzrivalen – dem BMW iX3 der "Neuen Klasse" – brennt im aktuellen Modelljahr lichterloh. Während BMW mit dem iX3 40 einen heckgetriebenen Einstieg ab 63.400 Euro realisiert, kontert Mercedes mit einem technologischen Vorsprung bei der Systemarchitektur. Die Auslieferungen der neuen GLC-Derivate für den europäischen Markt sind für das vierte Quartal anvisiert. Bis zum kommenden Jahr soll die Baureihe zudem durch eine reichweitenoptimierte Plus-Variante sowie ein brachiales Performance-Modell aus Affalterbach final komplettiert werden.
Hubraum-Downsizing war gestern: Jetzt schrumpft das Akkupaket
Das entscheidende konstruktive Merkmal der beiden neuen Varianten betrifft den Energiespeicher im Fahrzeugboden. Statt des massiven 94-kWh-Akkupakets des Topmodells nutzen der GLC 250 und der GLC 300 4MATIC eine kompaktere Batterie mit einem nutzbaren Energiegehalt von 85 kWh netto. Was auf dem Papier nach einem herben Einschnitt klingt, entpuppt sich im Real-World-Impact als absolut vernachlässigbar. Der aerodynamisch optimierte Hecktriebler GLC 250 holt aus dem kleineren Kraftpaket eine hervorragende WLTP-Reichweite von bis zu 647 Kilometern heraus und schlägt den schwereren Basis-iX3 aus München im direkten Kilometer-Duell.
Wer auf den bewährten Allradantrieb nicht verzichten möchte, findet im GLC 300 4MATIC den optimalen Kompromiss der gesamten Modellfamilie. Durch die zusätzliche Asynchronmaschine an der Vorderachse steigt die Systemleistung auf stattliche 310 kW (416 PS), während der Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo in nur 4,7 Sekunden absolviert wird. Trotz der permanenten Traktion beider Achsen büßt das Mid-Range-Modell im Vergleich zum Einstiegsmodell nur wenig Reichweite ein und quittiert den Dienst erst nach maximal 113 Kilometern im WLTP-Zyklus.
| Technische Spezifikationen | Mercedes GLC 250 (Einstieg) | Mercedes GLC 300 4MATIC (Allround) | Mercedes GLC 400 4MATIC (Topmodell) |
|---|---|---|---|
| Antriebskonzept | Heckantrieb (1x PSM hinten) | Allradantrieb (2x E-Motoren) | Allradantrieb (2x E-Motoren) |
| Systemleistung | 260 kW (349 PS) / 505 Nm | 310 kW (416 PS) / 800 Nm | 360 kW (489 PS) / 850 Nm |
| Beschleunigung (0-100 km/h) | 5,9 Sekunden | 4,7 Sekunden | 4,3 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h (Elektronisch begrenzt) | 210 km/h (Elektronisch begrenzt) | 210 km/h (Elektronisch begrenzt) |
| Batteriekapazität (Netto) | 85,0 kWh Lithium-Ionen | 85,0 kWh Lithium-Ionen | 94,0 kWh Lithium-Ionen |
| Maximale Reichweite (WLTP) | Bis zu 647 km | Bis zu 613 km | Bis zu 673 km (Long Range Ed.: > 700 km) |
| Ladegeschwindigkeit (DC Peak) | 320 kW (800-Volt-Bordnetz) | 320 kW (800-Volt-Bordnetz) | 330 kW (800-Volt-Bordnetz) |
| Offizieller Basis-Bruttopreis | 64.736 Euro | 68.306 Euro | 71.281 Euro |
Ladegeschwindigkeit auf High-End-Niveau dank 800-Volt-Technik
Ein echter Segen für den Langstreckenkomfort ist die Beibehaltung der kompromisslosen Ladearchitektur. Obwohl Mercedes die maximale DC-Spitzenladeleistung bei den kleineren Akkus minimal von 330 kW auf 320 kW gedrosselt hat, bleibt die reale Standzeit an der HPC-Säule wie gewohnt kurz. Der klassische Ladehub von 10 auf 80 Prozent Ladestand (SoC) ist in exakt 22 Minuten erledigt – ein Spitzenwert im Segment, der vor allem auf die extrem flache und stabile Ladekurve der MB.EA-M-Plattform zurückzuführen ist.
Kritik erntet die traditionell verschachtelte Aufpreispolitik im Stuttgarter Konfigurator. Während nützliche Hardware-Features wie ein großes Panoramaschiebedach, LED-Scheinwerfer und eine Rückfahrkamera bereits zum Serienumfang gehören, schlägt die Digitalisierung tiefe Löcher in das Budget. Wer das futuristische Infotainment-Erlebnis inklusive des MBUX Superscreens sucht, muss zwingend zu kostspieligen Ausstattungspaketen greifen, die den finalen Endpreis im Handumdrehen um 3.570 Euro bis hin zu heftigen 11.305 Euro in die Höhe treiben.
"Die Einführung der 85-kWh-Batterie zeigt, dass Premium-Hersteller verstanden haben, dass maximale Reichweitenrekorde nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg sind. Die enorme Systemeffizienz und die extrem kurzen Ladezeiten des GLC 250 beweisen im realen Fahrbetrieb, dass kleinere Batterien im Luxussegment kein schmerzhafter Kompromiss mehr sind, sondern eine absolut vernünftige und wirtschaftliche Wahl."
Praktiker und Camping-Freunde können zudem aufatmen: Trotz des kleineren Akkus bleibt die enorme Praktikabilität des Oberklasse-SUVs vollumfänglich erhalten. Die Allrad-Variante GLC 300 darf stattliche 2,4 Tonnen gebremste Anhängelast an den Haken nehmen, während der Hecktriebler mit 2,2 Tonnen ebenfalls zu den stärksten Zugpferden im gesamten Elektro-Segment gehört. Der großzügige 570-Liter-Heckkofferraum wird zudem durch einen cleveren, 128 Liter fassenden Frunk unter der Fronthaube ergänzt – dieser bietet genügend Stauraum, um schmutzige Ladekabel und das Bordwerkzeug komplett aus dem Sichtfeld der Passagiere zu verbannen.



