Mercedes verdoppelt Kecskemét, und macht Ungarn zum Schlüsselstandort für E-Modelle
Mercedes hat die Erweiterung seines Werks im ungarischen Kecskemét offiziell in Betrieb genommen. Die Fläche wächst von 200 auf 440 Hektar, damit zählt der Standort künftig zu den größten Produktionsarealen des Konzerns weltweit. Mit rund 5.000 Beschäftigten bleibt das Werk zudem einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region.
Für Mercedes ist das mehr als ein Bauprojekt. Der Standort wird als flexible Säule im globalen Produktionsnetzwerk ausgebaut, auch vor dem Hintergrund, dass sich inzwischen mehrere Hersteller in Ungarn ansiedeln oder neue Werke planen.
Rund 1 Milliarde Euro Investition, neue Hallen, Presswerk, Lack und Batteriemontage
Die Erweiterung ist Teil des Businessplans 2022 bis 2026, dafür flossen laut Mercedes rund 1 Milliarde Euro nach Kecskemét. Neu entstanden sind zwei Hallen für Karosserie- und Montagelinien, ein zweites Presswerk, eine neue Lackiererei sowie eine Batteriemontage.
Unterm Strich heißt das: mehr Wertschöpfung vor Ort und weniger Abhängigkeit von langen Lieferketten. Für E-Autofahrer ist das indirekt relevant, denn höhere lokale Fertigungstiefe kann Lieferfähigkeit stabilisieren und bei knappen Komponenten schneller gegensteuern.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Werksfläche (vorher) | 200 Hektar |
| Werksfläche (nach Erweiterung) | 440 Hektar |
| Mitarbeitende | ca. 5.000 |
| Investitionen (Businessplan 2022 bis 2026) | rund 1 Milliarde Euro |
| Photovoltaikfläche | 240.000 m² |
| PV Spitzenleistung (Teilfläche) | 27,4 MW |
| PV Spitzenleistung (gesamt am Standort möglich) | 42,3 MW |
| Abdeckung des jährlichen Energiebedarfs | rund 25 % |
Produktionsstart: Neue elektrische C-Klasse läuft in Kecskemét an
Parallel zur Eröffnung ist auch die Produktion der neuen elektrischen C-Klasse angelaufen, das erste Fahrzeug ist bereits vom Band gelaufen. Mercedes koppelt das an eine klare Strategie: mehr Resilienz, mehr Flexibilität und wettbewerbsfähige Fertigung für Volumenmodelle.
„Mit der Werkserweiterung in Kecskemét erhöhen wir die Resilienz und Flexibilität unseres globalen Produktionsnetzwerks. Der Standort definiert die Zukunft unserer Fertigung: intelligent, vernetzt, digital und konsequent auf Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit ausgerichtet. So können wir Modelle wie den GLB und die neue elektrische C-Klasse wettbewerbsfähig produzieren.“
Wenn du Mercedes aktuell auf dem Zettel hast, ist auch die Lage bei Lieferzeiten für Mercedes CLA und GLC EV relevant, denn Produktionsverschiebungen und flexible Kapazitäten entscheiden am Ende über Wartezeit oder schnelle Auslieferung.
Kompakte G-Klasse: Exklusivfertigung in Ungarn geplant
Ein weiteres Ausrufezeichen: In Kecskemét soll künftig die kompaktere Version der G-Klasse exklusiv gebaut werden. Das spricht dafür, dass Mercedes den Standort nicht nur als Ergänzung sieht, sondern als festen Anker für kommende Baureihen.
Local for Local, und eine Halle nur für E-Autos
Mercedes setzt in Kecskemét auf Local for Local. Bedeutet: zentrale Komponenten wie Karosserieteile und Antriebsbatterien für die dort gebauten E-Modelle werden vor Ort gefertigt.
Spannend ist auch der Produktionsansatz. In der bestehenden Halle laufen Verbrenner und Elektro auf einer Linie, die neue Halle ist rein elektrisch ausgelegt. Damit kann Mercedes die Stückzahlen je nach Nachfrage verschieben, ohne das ganze Werk umzubauen.
Flexible Achsen mit deutschen Werken, GLC nach Bedarf
Der Standort ist zudem eng ans globale Netzwerk gekoppelt. Mercedes beschreibt flexible Produktionsachsen zwischen Ungarn und deutschen Werken, zum Beispiel kann der elektrische GLC je nach Bedarf in Bremen oder Kecskemét gebaut werden.
Zum Modell selbst haben wir bereits die wichtigsten Daten gesammelt, siehe Mercedes GLB mit EQ Technologie.
PV-Ausbau und Energie: 42,3 MW Spitzenleistung möglich
Bei der Energieversorgung baut Mercedes die Solarleistung deutlich aus. Auf einer Fläche von 240.000 m² sind 27,4 MW Spitzenleistung möglich, zusätzlich gibt es Photovoltaik auf den Dächern der neuen Hallen. Insgesamt sind am Standort 42,3 MW als Spitzenleistung umsetzbar, damit sollen rund 25 % des jährlichen Energiebedarfs gedeckt werden.
Für den Alltag von E-Auto-Fahrern ist das kein direktes Feature. Aber es ist ein Signal, dass Hersteller ihre Scope-2 Bilanz bei der Produktion ernst nehmen, was mittelfristig auch bei Flottenkunden und Restwerten eine Rolle spielen kann.
Digital Factory Twin: Montagehalle als digitale Kopie im Nvidia Omniverse
Ein Kernpunkt der Erweiterung ist die Digitalisierung. Mercedes ordnet Kecskemét als einen der modernsten Standorte im eigenen Produktionsnetzwerk ein, mit ergonomischen Arbeitsplätzen sowie KI-gestützten Anwendungen.
Besonders konkret: Ein Digital Factory Twin bildet eine komplette Montagehalle digital ab, umgesetzt im Nvidia Omniverse. Damit lassen sich Prozesse vorab simulieren, Abläufe planen und Engpässe erkennen, bevor sie in der echten Fertigung teuer werden.
KI hilft zudem bei der Qualitätskontrolle, unter anderem über kamerabasierte Systeme, die Abweichungen am Fahrzeug in Echtzeit erkennen können.
Elektroquatsch-Impact: Was bringt dir das als Fahrer, und was nicht?
Positiv ist vor allem die Mischung aus Local for Local und flexibler Fertigung. Wenn die Nachfrage nach E-Modellen hochgeht, kann Mercedes schneller nachschieben, ohne dass ein Standort komplett überlastet. Das kann sich in besseren Lieferfenstern und stabilerer Verfügbarkeit bemerkbar machen.
Kein Selbstläufer ist dagegen, dass dadurch sofort Preise sinken. Aber: Effizientere Produktion, höhere Lokalisierung und digitale Vorab-Optimierung sind genau die Hebel, die in den nächsten Jahren über Marge oder Rabatt entscheiden.
Und falls du dich generell für 800-Volt und Ladearchitekturen interessierst, lohnt sich unser Überblick 800V vs. 400V im Vergleich, weil das Thema bei neuen Plattformen wie MMA zunehmend den Alltag prägt.



