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Solar-Rekord 2026: Warum der Strompreis trotz Iran-Krise stabil blieb und was das für E-Autofahrer heißt

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

11. Juli 2026·4 Min. Lesezeit
Solar-Rekord 2026: Warum der Strompreis trotz Iran-Krise stabil blieb und was das für E-Autofahrer heißtBild: KI-generiert

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 so viel Solarstrom eingespeist wie nie, 43,2 TWh. Zusammen mit starkem Wind hat das die Börsenstrompreise trotz Gas-Preissprung nach Beginn des Iran-Kriegs gedämpft. Für E-Autofahrer bedeutet das vor allem eins, tagsüber wird Strom häufiger billig, abends bleiben Preisspitzen ohne Speicher ein Thema.

Solarstrom knackt Rekord, 43,2 TWh in nur sechs Monaten

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Bestwert bei der Solarstrom-Einspeisung erreicht. Photovoltaik-Anlagen speisten 43,2 TWh ins Netz ein, so viel wie noch nie in einem Halbjahr.

Auch europaweit liegt die Solarproduktion auf Allzeithoch. Der Trend ist klar, seit 2015 ist die Solareinspeisung in Europa um 254 % gestiegen.

PV-Ausbau: Deutschland legt auf 124,8 GWp zu

Die installierte PV-Leistung ist in Deutschland in den ersten sechs Monaten um 7 GW gewachsen. Insgesamt stehen damit 124,8 GWp am Netz.

Der größte Zubau kam aus Freiflächenanlagen. Danach folgten kleine Dachanlagen bis 30 kWp.

Kennzahl Wert Zeitraum
Solar-Einspeisung Deutschland 43,2 TWh H1 2026
Installierte PV-Leistung Deutschland 124,8 GWp Stand nach H1 2026
PV-Zubau Deutschland +7 GW H1 2026
Zubau Freiflächen-PV +3,6 GWp H1 2026
Zubau Gebäudeanlagen bis 30 kWp +2,1 GWp H1 2026
Solareinspeisung Europa +254 % seit 2015

Wind bleibt die Nummer 1, Erneuerbare bei 61,8 %

Solar ist der Preisdrücker zur Mittagszeit, aber Windkraft bleibt der wichtigste Erzeuger unter den Erneuerbaren. Im Vergleich zum Vorjahr legte Wind um 12 % zu.

Onshore-Wind speiste 52,8 TWh ein. Offshore setzte mit 14,6 TWh ebenfalls einen Rekord.

Unterm Strich kamen die Erneuerbaren auf 61,8 % der öffentlichen Nettostromerzeugung, nahezu auf Vorjahresniveau.

Kennzahl Wert Zeitraum
Windkraft-Einspeisung Onshore 52,8 TWh H1 2026
Windkraft-Einspeisung Offshore 14,6 TWh H1 2026
Anteil Erneuerbare an öffentlicher Nettostromerzeugung 61,8 % H1 2026

Warum der Börsenstrompreis trotz Gas-Schock gefallen ist

Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar zog Erdgas spürbar an. Von Februar auf März stieg der Gaspreis um rund 48 %, von 35,61 Euro/MWh auf 52,71 Euro/MWh.

Normalerweise würde das über die Merit-Order direkt den Strompreis nach oben drücken, weil oft das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Marktpreis setzt. Genau das passierte diesmal deutlich weniger.

Statt eines Strompreis-Sprungs trotzte der Markt der Gas-Rallye, weil Solar und Wind immer häufiger die teuren Spitzen aus dem System drücken.

Die Grenzkosten der Gaskraftwerke stiegen nach Kriegsbeginn um 39 % auf 132,87 Euro/MWh. Der Börsenstrompreis sank dennoch auf 95,58 Euro/MWh.

Im April ging es beim Börsenstrompreis weiter runter, minus 27,7 %, während Gas im gleichen Zeitraum nur um 12,6 % nachgab.

Kennzahl Wert Einordnung
Gaspreis 35,61 Euro/MWh Februar 2026
Gaspreis 52,71 Euro/MWh März 2026
Grenzkosten Strom aus Erdgas (inkl. Zertifikate) 132,87 Euro/MWh nach Kriegsbeginn
Börsenstrompreis 95,58 Euro/MWh nach Kriegsbeginn
Börsenstrompreis Veränderung -27,7 % April 2026
Gaspreis Veränderung -12,6 % April 2026

Der Haken: Null- und Negativpreise zeigen die Speicherlücke

Mehr Solar bedeutet nicht nur günstigere Mittagsstunden, sondern auch häufiger Stromüberschuss. In sehr sonnigen Phasen fällt der Day-Ahead-Preis immer öfter auf 0 Euro oder sogar in den negativen Bereich.

Für neue PV- und Windanlagen in der Direktvermarktung ist das bitter, bei negativen Preisen entfällt die Förderung, daher wird dann teils abgeregelt. Energie ist da, wird aber nicht genutzt.

Batteriegroßspeicher wachsen stark, aber reichen noch nicht

Deutschland hat bei Batteriegroßspeichern im ersten Halbjahr 2026 spürbar zugelegt. Die installierte Kapazität stieg von 25,4 GWh auf 29,6 GWh.

Das Tempo war höher als im gesamten Vorjahr, trotzdem bleibt eine klare Speicherlücke. Ohne genügend Speicher wandert billiger Mittagsstrom nicht zuverlässig in die Abendstunden, genau dann, wenn Solar wegfällt und die Nachfrage hoch ist.

Kennzahl Wert Zeitraum
Installierte Batteriegroßspeicher-Kapazität 25,4 GWh Start 2026
Installierte Batteriegroßspeicher-Kapazität 29,6 GWh nach H1 2026

Alltags-Impact: Was das für deinen Ladestrom 2026 bedeutet

Für dich als E-Autofahrer ist das eine ziemlich direkte Nachricht. Viel Solar macht Strom im Tagesverlauf häufiger günstig, vor allem mittags und am frühen Nachmittag.

Wenn du zu Hause mit dynamischem Tarif lädst oder beim Arbeitgeber laden kannst, profitierst du am ehesten. Wer überwiegend abends zu Hause lädt, spürt die Preisspitzen weiter, solange Speicher und Flexibilität fehlen.

Genau deshalb werden Themen wie Bidirektionales Laden und Lastmanagement jetzt noch wichtiger. Wenn Autos und Heimspeicher Überschüsse aufnehmen, sinkt die Verschwendung durch Abregelung und die Abendpreise können glatter werden. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Bidirektionales Laden (V2H und V2G).

Schnellladen: Preis hängt nicht 1:1 am Börsenstrom, aber der Trend hilft

An HPC-Säulen setzt sich Börsenstrom nicht direkt durch, da Netzentgelte, Standortkosten und Roaming mitspielen. Trotzdem ist ein Strommix mit vielen günstigen EE-Stunden langfristig ein Vorteil, weil er den Systemdruck senkt.

Wenn du Tarife vergleichen willst, die bei diesen Schwankungen nicht zur Kostenfalle werden, hilft unser Ladeanbieter-Vergleich 2026. Und wenn du wissen willst, warum die Netzarchitektur bei hohen Ladeleistungen entscheidend ist, lies unseren Guide 800V vs. 400V im Alltag.

Deutschland importiert deutlich weniger Strom

Ein weiterer Effekt der starken heimischen Erzeugung, Deutschland war im ersten Halbjahr nur noch mit 1,3 TWh Nettoimport unterwegs. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Saldo noch bei 9,6 TWh.

Kennzahl Wert Zeitraum
Nettoimport Strom Deutschland 1,3 TWh H1 2026
Nettoimport Strom Deutschland 9,6 TWh H1 2025

Elektroquatsch-Meinung: Mehr Solar ist gut, ohne Speicher bleibt es halb so wertvoll

Die Zahlen zeigen, wie schnell sich der Strommarkt verändert. Erneuerbare drücken Preisschocks durch geopolitische Krisen spürbar ab, das ist echte Versorgungssicherheit.

Aber Null- und Negativpreise sind kein Grund zum Feiern, wenn gleichzeitig Anlagen abregeln müssen. Der nächste logische Schritt ist nicht nur mehr PV, sondern mehr Speicher und mehr Flexibilität im Verbrauch, damit günstiger Strom auch dort ankommt, wo er zählt, beim Laden, beim Heizen und in der Industrie.

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