Solarstrom knackt Rekord, 43,2 TWh in nur sechs Monaten
Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Bestwert bei der Solarstrom-Einspeisung erreicht. Photovoltaik-Anlagen speisten 43,2 TWh ins Netz ein, so viel wie noch nie in einem Halbjahr.
Auch europaweit liegt die Solarproduktion auf Allzeithoch. Der Trend ist klar, seit 2015 ist die Solareinspeisung in Europa um 254 % gestiegen.
PV-Ausbau: Deutschland legt auf 124,8 GWp zu
Die installierte PV-Leistung ist in Deutschland in den ersten sechs Monaten um 7 GW gewachsen. Insgesamt stehen damit 124,8 GWp am Netz.
Der größte Zubau kam aus Freiflächenanlagen. Danach folgten kleine Dachanlagen bis 30 kWp.
| Kennzahl | Wert | Zeitraum |
|---|---|---|
| Solar-Einspeisung Deutschland | 43,2 TWh | H1 2026 |
| Installierte PV-Leistung Deutschland | 124,8 GWp | Stand nach H1 2026 |
| PV-Zubau Deutschland | +7 GW | H1 2026 |
| Zubau Freiflächen-PV | +3,6 GWp | H1 2026 |
| Zubau Gebäudeanlagen bis 30 kWp | +2,1 GWp | H1 2026 |
| Solareinspeisung Europa | +254 % | seit 2015 |
Wind bleibt die Nummer 1, Erneuerbare bei 61,8 %
Solar ist der Preisdrücker zur Mittagszeit, aber Windkraft bleibt der wichtigste Erzeuger unter den Erneuerbaren. Im Vergleich zum Vorjahr legte Wind um 12 % zu.
Onshore-Wind speiste 52,8 TWh ein. Offshore setzte mit 14,6 TWh ebenfalls einen Rekord.
Unterm Strich kamen die Erneuerbaren auf 61,8 % der öffentlichen Nettostromerzeugung, nahezu auf Vorjahresniveau.
| Kennzahl | Wert | Zeitraum |
|---|---|---|
| Windkraft-Einspeisung Onshore | 52,8 TWh | H1 2026 |
| Windkraft-Einspeisung Offshore | 14,6 TWh | H1 2026 |
| Anteil Erneuerbare an öffentlicher Nettostromerzeugung | 61,8 % | H1 2026 |
Warum der Börsenstrompreis trotz Gas-Schock gefallen ist
Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar zog Erdgas spürbar an. Von Februar auf März stieg der Gaspreis um rund 48 %, von 35,61 Euro/MWh auf 52,71 Euro/MWh.
Normalerweise würde das über die Merit-Order direkt den Strompreis nach oben drücken, weil oft das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Marktpreis setzt. Genau das passierte diesmal deutlich weniger.
Statt eines Strompreis-Sprungs trotzte der Markt der Gas-Rallye, weil Solar und Wind immer häufiger die teuren Spitzen aus dem System drücken.
Die Grenzkosten der Gaskraftwerke stiegen nach Kriegsbeginn um 39 % auf 132,87 Euro/MWh. Der Börsenstrompreis sank dennoch auf 95,58 Euro/MWh.
Im April ging es beim Börsenstrompreis weiter runter, minus 27,7 %, während Gas im gleichen Zeitraum nur um 12,6 % nachgab.
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Gaspreis | 35,61 Euro/MWh | Februar 2026 |
| Gaspreis | 52,71 Euro/MWh | März 2026 |
| Grenzkosten Strom aus Erdgas (inkl. Zertifikate) | 132,87 Euro/MWh | nach Kriegsbeginn |
| Börsenstrompreis | 95,58 Euro/MWh | nach Kriegsbeginn |
| Börsenstrompreis Veränderung | -27,7 % | April 2026 |
| Gaspreis Veränderung | -12,6 % | April 2026 |
Der Haken: Null- und Negativpreise zeigen die Speicherlücke
Mehr Solar bedeutet nicht nur günstigere Mittagsstunden, sondern auch häufiger Stromüberschuss. In sehr sonnigen Phasen fällt der Day-Ahead-Preis immer öfter auf 0 Euro oder sogar in den negativen Bereich.
Für neue PV- und Windanlagen in der Direktvermarktung ist das bitter, bei negativen Preisen entfällt die Förderung, daher wird dann teils abgeregelt. Energie ist da, wird aber nicht genutzt.
Batteriegroßspeicher wachsen stark, aber reichen noch nicht
Deutschland hat bei Batteriegroßspeichern im ersten Halbjahr 2026 spürbar zugelegt. Die installierte Kapazität stieg von 25,4 GWh auf 29,6 GWh.
Das Tempo war höher als im gesamten Vorjahr, trotzdem bleibt eine klare Speicherlücke. Ohne genügend Speicher wandert billiger Mittagsstrom nicht zuverlässig in die Abendstunden, genau dann, wenn Solar wegfällt und die Nachfrage hoch ist.
| Kennzahl | Wert | Zeitraum |
|---|---|---|
| Installierte Batteriegroßspeicher-Kapazität | 25,4 GWh | Start 2026 |
| Installierte Batteriegroßspeicher-Kapazität | 29,6 GWh | nach H1 2026 |
Alltags-Impact: Was das für deinen Ladestrom 2026 bedeutet
Für dich als E-Autofahrer ist das eine ziemlich direkte Nachricht. Viel Solar macht Strom im Tagesverlauf häufiger günstig, vor allem mittags und am frühen Nachmittag.
Wenn du zu Hause mit dynamischem Tarif lädst oder beim Arbeitgeber laden kannst, profitierst du am ehesten. Wer überwiegend abends zu Hause lädt, spürt die Preisspitzen weiter, solange Speicher und Flexibilität fehlen.
Genau deshalb werden Themen wie Bidirektionales Laden und Lastmanagement jetzt noch wichtiger. Wenn Autos und Heimspeicher Überschüsse aufnehmen, sinkt die Verschwendung durch Abregelung und die Abendpreise können glatter werden. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Bidirektionales Laden (V2H und V2G).
Schnellladen: Preis hängt nicht 1:1 am Börsenstrom, aber der Trend hilft
An HPC-Säulen setzt sich Börsenstrom nicht direkt durch, da Netzentgelte, Standortkosten und Roaming mitspielen. Trotzdem ist ein Strommix mit vielen günstigen EE-Stunden langfristig ein Vorteil, weil er den Systemdruck senkt.
Wenn du Tarife vergleichen willst, die bei diesen Schwankungen nicht zur Kostenfalle werden, hilft unser Ladeanbieter-Vergleich 2026. Und wenn du wissen willst, warum die Netzarchitektur bei hohen Ladeleistungen entscheidend ist, lies unseren Guide 800V vs. 400V im Alltag.
Deutschland importiert deutlich weniger Strom
Ein weiterer Effekt der starken heimischen Erzeugung, Deutschland war im ersten Halbjahr nur noch mit 1,3 TWh Nettoimport unterwegs. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Saldo noch bei 9,6 TWh.
| Kennzahl | Wert | Zeitraum |
|---|---|---|
| Nettoimport Strom Deutschland | 1,3 TWh | H1 2026 |
| Nettoimport Strom Deutschland | 9,6 TWh | H1 2025 |
Elektroquatsch-Meinung: Mehr Solar ist gut, ohne Speicher bleibt es halb so wertvoll
Die Zahlen zeigen, wie schnell sich der Strommarkt verändert. Erneuerbare drücken Preisschocks durch geopolitische Krisen spürbar ab, das ist echte Versorgungssicherheit.
Aber Null- und Negativpreise sind kein Grund zum Feiern, wenn gleichzeitig Anlagen abregeln müssen. Der nächste logische Schritt ist nicht nur mehr PV, sondern mehr Speicher und mehr Flexibilität im Verbrauch, damit günstiger Strom auch dort ankommt, wo er zählt, beim Laden, beim Heizen und in der Industrie.



