Mercedes startet C-Klasse EQ Produktion in Kecskemét und das Werk wächst zum Giganten
Mercedes hat den Produktionsstart der elektrischen C-Klasse im ungarischen Kecskemét bestätigt. Parallel hat der Standort einen massiven Ausbau hinter sich, inklusive neuer Hallen, neuer Batteriemontage sowie zusätzlicher Press und Lackierkapazitäten.
Für E-Autofahrer ist das mehr als eine Fußnote: Wenn ein Modell in ein Werk mit klarer EV-Ausrichtung wandert, ist das oft der Schlüssel für stabilere Stückzahlen. Gleichzeitig gilt, hohe Nachfrage kann trotzdem lange Lieferzeiten bedeuten.
Was genau wurde in Kecskemét ausgebaut?
Die Werksfläche wurde laut Mercedes von 200 auf 440 Hektar erweitert. Neu eröffnet wurden zwei Hallen für Karosseriebau und Montagelinien. Zusätzlich kamen ein zweites Presswerk, eine neue Lackiererei sowie eine Batteriemontage dazu.
Wichtig für die Praxis: In Kecskemét werden Fahrzeuge nicht nur endmontiert, auch Karosserieteile und Traktionsbatterien entstehen vor Ort. Das reduziert Abhängigkeiten in der Lieferkette, was langfristig bei Anläufen und Facelifts hilft.
Eine Linie für Verbrenner und EV, plus eine reine E-Auto Halle
Mercedes setzt vor Ort auf zwei Ansätze. In einer bestehenden Halle laufen Verbrenner und Elektroautos auf einer Linie. Die neue Halle ist dagegen ausschließlich für vollelektrische Fahrzeuge ausgelegt.
Das ist ein klarer Hinweis, wohin die Reise geht: EV-Produktion bekommt eigene Taktung, eigene Logistik und typischerweise bessere Skalierung, sobald die Nachfrage hochgeht.
Welche Modelle sind für den Standort vorgesehen?
Kecskemét soll Fahrzeuge aus Core und Kompaktsegment fertigen. Genannt werden CLA, GLA, GLB, GLC, C-Klasse sowie E-Klasse.
Der CLA wurde inzwischen nach Rastatt verlagert. Dafür kommt nun die elektrische C-Klasse hinzu. Und auch die kommende kleine G-Klasse soll laut Mercedes ausschließlich in Kecskemét gebaut werden.
Option: Elektrischer GLC als Backup, wenn Bremen voll ist
Spannend ist der Produktionspuffer: Der elektrische GLC könnte künftig ebenfalls in Kecskemét gefertigt werden, falls der Standort Bremen ausgelastet ist. Für Kunden kann so etwas später über Lieferzeiten entscheiden, gerade wenn mehrere Baureihen gleichzeitig hochlaufen.
Passend dazu: Bei Mercedes sehen wir aktuell generell Druck auf die Lieferketten und Anlaufkurven. Ein Beispiel sind die aktuellen Lieferzeiten bei Mercedes CLA und GLC EV.
Energie: 42,3 MWp Photovoltaik, 25% des Jahresbedarfs
Auch beim Thema Energieversorgung hat Mercedes am Standort nachgelegt. Es gibt einen Freiflächen Photovoltaikpark westlich des Werks auf 240.000 Quadratmetern mit 27,4 MWp. Zusammen mit PV auf den Hallendächern kommt der Standort auf 42,3 MWp.
Damit sollen etwa 25% des jährlichen Energiebedarfs gedeckt werden. Zusätzlich arbeitet die neue Lackiererei laut Mercedes 20% energieeffizienter als die bestehende.
| Ausbaupunkt | Wert |
|---|---|
| Werksfläche | von 200 auf 440 Hektar |
| Investitionen (letzte 4 Jahre) | 1 Milliarde Euro |
| PV Freiflächenpark | 27,4 MWp auf 240.000 m² |
| PV Gesamtleistung (inkl. Dächer) | 42,3 MWp |
| Deckung Energiebedarf durch PV | ca. 25% |
| Neue Lackiererei Effizienz | 20% energieeffizienter als bestehende |
| Jahreskapazität Werk (genannt) | 400.000 Fahrzeuge |
Bestellstart, Variante und Lieferfenster: Das bedeutet es für Käufer
Die elektrische C-Klasse ist seit Mai als C 400 4Matic bestellbar, weitere Varianten sollen folgen. Die Auslieferung soll im September beginnen.
Wer jetzt bestellt, muss laut aktueller Erwartung bei hoher Nachfrage mit Lieferzeiten bis ins erste Quartal 2027 rechnen.
Für den Alltag heißt das: Wenn du die C-Klasse EQ als Dienstwagen oder geplanten Familienwechsel im Kopf hast, solltest du den Zeithorizont realistisch einplanen. Und wenn du flexibel bist, kann es sinnvoll sein, parallel Alternativen zu prüfen, zum Beispiel andere Baureihen oder Übergangslösungen im Leasingmarkt.
Elektroquatsch-Meinung: Ein starkes Signal, aber Lieferzeit bleibt der echte Gamechanger
Der Produktionsstart ist die gute Nachricht, genauso wie die EV-only Halle und die lokale Batteriemontage. Das sind die Bausteine, die Mercedes braucht, um bei Volumenmodellen wieder planbarer zu liefern.
Die schlechte Nachricht ist banal, aber entscheidend: Wenn die Nachfrage hoch bleibt, wird die Warteliste zum Problem. Für viele Käufer ist nicht die Technik der Engpass, sondern der Termin, an dem das Auto wirklich vor der Tür steht.
Mehr Kontext zu Mercedes Produktionsstrategie gibt es auch in unserer Meldung zur Verlagerung von Mercedes Produktion nach Ungarn und der kleinen G.



