Porsche steht vor dem nächsten großen Sparpaket
Bei Porsche laufen derzeit intensive Verhandlungen über weitere Stellenstreichungen und eine mögliche Standortsicherung bis 2035. Der neue Vorstandschef Michael Leiters soll die Ergebnisse Ende Juli vorstellen, zuvor geht das Paket am 22. Juli in Stuttgart-Zuffenhausen in den Aufsichtsrat.
Im Kern geht es um mehr Wirtschaftlichkeit und eine langfristige Strategie bis 2035. Gleichzeitig prallen Interessen von Belegschaft, Eigentümerfamilien sowie Investoren aufeinander.
Streitpunkt: 10 Jahre Standort- und Beschäftigungsgarantie
Diskutiert wird laut Verhandlungsstand eine Standort- und Beschäftigungsgarantie über zehn Jahre, um Stellenkürzungen abzusichern. Betroffen wären die großen Porsche-Standorte Zuffenhausen und Leipzig sowie das Entwicklungszentrum Weissach.
Genau diese lange Garantie sorgt intern für Konfliktstoff. Während Arbeitnehmervertreter Planungssicherheit wollen, sehen Teile der Eigentümerseite eine so lange Bindung als zu starr für die aktuelle Marktlage.
Wie groß ist der geplante Abbau?
Konkrete Zahlen nennt Porsche bisher nicht. Im Raum steht jedoch, dass mehrere Tausend Stellen wackeln, teils wird von mehr als 4.000 gesprochen. Bereits beschlossen waren zuvor 3.900 Stellenkürzungen, zusätzlich sollen durch Schließungen von Tochtergesellschaften 500 Jobs wegfallen. Auch im Management sind bereits Positionen gestrichen worden.
Die Strategie 2035: weniger Modelle, schlankere Strukturen, Verkäufe von Nebengeschäften
Porsche verfolgt für die kommenden Jahre einen klaren Korridor: 10 bis 15 % Marge. Um dort wieder hinzukommen, stützt sich die 2035-Strategie auf drei Hebel.
„Wir müssen made in Germany neu erfinden und uns unter Beweis stellen. Das wird am Ende darüber entscheiden, ob wir erfolgreich sind.“
Die Stoßrichtung: Personal abbauen und Strukturen verschlanken, die Modellpalette reduzieren und stärker auf sportliche Modelle fokussieren sowie Nebengeschäfte verkaufen.
Warum das auch für Taycan-Fans relevant ist
Ein Kostentreiber ist das Stammwerk Zuffenhausen. Dort liegen die Fabrikkosten pro Fahrzeug laut interner Diskussion bei über 10.000 Euro und damit besonders hoch im Konzernvergleich. In Leipzig sollen die Kosten niedriger sein.
Deshalb wird diskutiert, die Taycan-Produktion mittelfristig von Zuffenhausen nach Leipzig zu verlagern. Alternativ steht im Raum, dass das Modell über die Jahre ausläuft. Klar ist: Die Produktion wurde bereits gedrosselt.
Alltags-Impact: Was bedeutet das für E-Autofahrer und Porsche-Kunden?
Für Kunden sind zwei Punkte entscheidend. Erstens, Lieferfähigkeit und Modellpflege: Wenn Porsche Portfolio und Werke umsortiert, können sich Anläufe neuer Varianten verschieben, parallel wird aber oft stärker priorisiert, was margenstark ist.
Zweitens, Preis- und Angebotsdruck: Hoher Kostendruck in Deutschland und das Margenziel erhöhen den Druck, entweder günstiger zu produzieren oder Preise und Ausstattung konsequent zu steuern. Für Käufer kann das bedeuten, dass bestimmte Konfigurationen seltener werden und sich der Fokus auf wenige, hoch ausgestattete Linien verstärkt.
Einordnung: Kostendruck trifft die ganze Branche
Dass Konzerne Stellen und Strukturen neu ordnen, ist derzeit kein Einzelfall. Ähnlich harte Einschnitte sehen wir auch bei anderen Herstellern, zum Beispiel beim BMW-Stellenabbau 2026.
Und auch die technische Richtung, also welche Plattformen und Architekturen langfristig gesetzt werden, hängt eng am Kostenthema. Wer sich für Lade-Performance und Zukunftsfähigkeit interessiert, sollte den Unterschied zwischen 800V vs. 400V kennen.
Bekannte Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert | Kontext |
|---|---|---|
| Vorstellung der Ergebnisse | Ende Juli 2026 | Paket aus Personalplänen und Standortsicherung |
| Termin Aufsichtsrat | 22. Juli 2026 | Präsentation in Stuttgart-Zuffenhausen |
| Diskutierte Standort- und Beschäftigungsgarantie | 10 Jahre (bis 2035 im Gespräch) | Zuffenhausen, Leipzig, Weissach |
| Bereits beschlossene Stellenkürzung | 3.900 Stellen | Entscheidung aus der Zeit vor Leiters |
| Weitere Jobs durch Schließung von Tochtergesellschaften | 500 Stellen | Zusätzliche Reduktion unter Leiters |
| Weiter diskutierter zusätzlicher Abbau | über 4.000 Stellen (Berichte) | Noch ohne offizielle Bestätigung |
| Ziel-Margenkorridor | 10 bis 15 % | Strategie 2035 |
| Fabrikkosten pro Fahrzeug (Zuffenhausen) | über 10.000 Euro | Gilt als einer der teuersten Konzernstandorte |
| Porsche-Aktienkurs (genannt) | ca. 46 Euro | Rund halb so hoch wie zum Börsenstart vor 3,5 Jahren |
| Mitarbeitende mit > 100.000 Euro/Jahr | über 9.000 | Ohne Vorstand |
| Mitarbeitende mit > 300.000 Euro/Jahr | knapp 200 | Ohne Vorstand |
| Mitarbeitende mit > 500.000 Euro/Jahr | 28 | Ohne Vorstand |
| Nicht-Vorstände mit > 1.000.000 Euro/Jahr | 3 | Zusätzlich zum Vorstand |
Elektroquatsch-Meinung: Porsche muss gleichzeitig sparen und liefern
Porsche versucht, Kosten in Deutschland zu drücken, ohne den Markenkern zu beschädigen. Für E-Auto-Fahrer ist entscheidend, dass Taycan und kommende Elektro-Modelle nicht zum Spielball von Werkedebatten werden, denn am Ende zählen Verfügbarkeit, Service-Netz und schnelle Modellpflege.
Ende Juli wissen wir mehr. Dann wird sich zeigen, ob Porsche einen Deal hinbekommt, der Planungssicherheit schafft und trotzdem genug Flexibilität für den Markt lässt.



