Solarky Sun V: Das Solar-E-Auto im Mini-Format ist bereits im Verkauf
Solarautos sind seit Jahren ein Magnet für große Versprechen, nur selten aber für echte Serienfahrzeuge. Genau hier setzt der Solarky Sun V an, allerdings bewusst nicht als Hightech-Langstreckenauto, sondern als einfacher, leichter Stadtstromer mit Zusatzenergie vom Dach. Der Kleinstwagen ist laut Hersteller und Vertriebspartnern in ersten Ländern bereits erhältlich und liegt preislich umgerechnet bei rund 8.000 Euro.
Spannend ist dabei weniger ein Europa-Launch, der aktuell offen ist, sondern der Ansatz: kleines Auto, kleiner Akku, niedrige Leistung, dafür möglichst viel nutzbare Solarfläche. Das macht die Rechnung im Alltag zumindest grundsätzlich realistischer als bei teuren Leuchtturmprojekten.
Wo der Sun V bereits angeboten wird und warum das für Europa relevant ist
Der Sun V startete Ende 2025 zunächst in Thailand. Inzwischen wird er auch in Tansania angeboten. In Indonesien läuft der Vertrieb in Kooperation mit einem lokalen Partner unter eigener Marke. Solarky nennt als Fokusregionen Südostasien und Afrika, also Märkte, in denen kurze Distanzen, einfache Fahrzeuge und viel Sonne häufig gut zusammenpassen.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist das vor allem als Machbarkeitsbeweis interessant: Ein Solarauto muss nicht zwangsläufig ein extrem teures Effizienz-Experiment sein. Gleichzeitig gilt: Eine mögliche Zulassung in Europa wäre kein Selbstläufer, weil Sicherheits- und Homologationsanforderungen deutlich höher sind.
Technik im Überblick: Leicht, langsam, klar auf Stadtverkehr getrimmt
Mit rund 660 kg ist der Sun V extrem leicht für ein viersitziges Elektroauto. Der E-Motor sitzt hinten, leistet 15 kW und soll 85 Nm Drehmoment liefern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h, womit der Einsatzzweck ziemlich eindeutig ist: Stadt, Kurzstrecke, Nahpendeln.
| Merkmal | Solarky Sun V (Angaben des Anbieters) |
|---|---|
| Länge | 3,15 m |
| Leergewicht | ca. 660 kg |
| Antrieb | Heckmotor |
| Leistung | 15 kW (20 PS) |
| Drehmoment | 85 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 80 km/h |
| Batterie | 10,2 kWh (LFP) |
| Reichweite | 151 km (NEDC, sehr optimistisch) |
| Solarfläche während der Fahrt | 1,6 m² |
| Solarfläche im Stand (ausgefahren) | 3,2 m² |
| PV-Leistung (Peak) | bis zu 300 Wp |
Das ausfahrbare Solardach: Verdoppelte Fläche im Stand
Das Kern-Feature sitzt auf dem Dach: Während der Fahrt ist eine Photovoltaikfläche von 1,6 m² integriert. Im Stand lassen sich seitlich zusätzliche Module ausfahren. Damit verdoppelt sich die aktive Solarfläche auf 3,2 m². Das ist genau der Moment, in dem Solar bei Autos am sinnvollsten ist, nämlich wenn das Fahrzeug ohnehin parkt.
Die Herstellerangabe: Unter idealen Bedingungen soll die PV-Anlage täglich Energie für zusätzliche 50 bis 55 km liefern. In mitteleuropäischen Wintern ist so ein Wert jedoch kaum erreichbar, im Sommer kann Solar bei kurzen Pendelstrecken aber spürbar helfen.
Wichtig für den Real-World-Impact in der DACH-Region: Solar ersetzt die Steckdose nicht, kann aber den externen Ladestrom reduzieren. Wer beispielsweise tagsüber draußen parkt und nur wenige Kilometer pro Tag fährt, könnte einen Teil der Energie tatsächlich über die Sonne abdecken. Wer im Parkhaus steht oder abends lange Autobahn fährt, profitiert entsprechend wenig.
Reichweite: NEDC klingt gut, Alltag ist deutlich ehrlicher
Der Akku ist mit 10,2 kWh bewusst klein und nutzt LFP-Chemie. Die angegebene Reichweite von 151 km basiert allerdings auf NEDC, einem alten Testzyklus, der im Alltag meist deutlich zu hohe Werte liefert. Realistischer wirken je nach Nutzung eher rund 90 bis 100 km, was trotzdem für viele Stadtfahrten und kurze Arbeitswege reichen kann.
Wer das mit europäischen Fahrzeugen vergleicht: Hier sehen wir gerade, wie stark Reichweite und Effizienz als Kaufargumente geworden sind. Ein guter Kontext ist das Reichweiten-Ranking 2026 mit über 900 km WLTP, das zeigt, wie weit die Spanne zwischen High-End-Limousinen und Minimalmobilität inzwischen ist.
Warum Solarky mit dem kleinen Wurf vielleicht näher an der Realität ist
Frühere Solarauto-Projekte scheiterten häufig an einer Mischung aus Perfektionismus, Kosten und Komplexität. Der Sun V geht in die entgegengesetzte Richtung: niedrige Geschwindigkeit, wenig Gewicht, überschaubare Anforderungen, dafür ein Feature, das im Alltag zumindest rechnerisch etwas bringen kann.
Natürlich bleiben große Fragezeichen: Wie gut ist die Verarbeitungsqualität, wie steht es um Sicherheit und Dauerhaltbarkeit, und wie skalierbar ist die Produktion über kleine Stückzahlen hinaus. Gerade bei einem Preisniveau um 8.000 Euro sind das die Punkte, die am Ende über Erfolg oder Nische entscheiden.
Einordnung für DACH: Zulassung und Nutzungsszenarien
Sollte Solarky den Schritt nach Europa überhaupt planen, wäre die Homologation vermutlich die größte Hürde. Und selbst wenn es klappt: Mit 80 km/h Spitze passt das Konzept eher in urbane Szenarien als in den klassischen deutschen Pendleralltag mit Landstraße und Autobahn.
Als Denkanstoß ist das Konzept trotzdem spannend, auch weil Solar im Auto gerade wieder öfter auftaucht, teils als Komfort- oder Effizienz-Feature. Wer grundsätzlich verstehen will, wie sehr Lade- und Plattformtechnik den Alltag prägt, bekommt dafür einen guten Rahmen in unserem Vergleich 800V vs. 400V: Welche E-Auto-Architektur brauchst du 2026?.
Fazit: Kein Tesla-Killer, aber ein interessanter Gegenentwurf
Der Solarky Sun V ist keine Alternative zu einem vollwertigen E-Auto für DACH, und er will es offensichtlich auch nicht sein. Er ist ein günstiger Elektro-Kleinstwagen, der mit einem ausfahrbaren Solardach eine pragmatische Zusatzquelle für Energie bietet. Wenn die Solarangaben auch nur teilweise im Alltag funktionieren, kann das bei kurzen Strecken den Unterschied zwischen häufigem und seltenem Laden ausmachen.
In einer Welt, in der viele Hersteller Reichweite, Leistung und Ladegeschwindigkeit immer weiter nach oben schieben, ist das hier ein bewusst kleiner Ansatz. Und manchmal ist genau das die realistischere Innovation.



