China exportiert so viele Autos wie nie, und das prägt auch Europa
Die Juli-Zahlen aus China zeichnen ein klares Bild: Das Wachstum kommt zunehmend aus dem Auslandsgeschäft. Vor allem große, breit aufgestellte Konzerne wie BYD, Chery und Geely bauen Exportvolumen auf, das mittlerweile in einer eigenen Liga spielt.
Für den DACH-Raum ist das nicht nur eine Statistik. Mehr Exportdruck heißt in der Praxis: mehr Modelle, mehr Wettbewerb bei Preisen und häufig auch schnellerer Ausbau von Vertriebs- und Servicenetzwerken in Europa.
BYD: NEV-Rekord und Export als Turbo
BYD setzte im Juli den Ton. Der Konzern verkaufte rund 419.000 NEVs, das entspricht einem Plus von 21,8% gegenüber dem Vorjahr und dem höchsten Monatswert im laufenden Jahr.
Besonders auffällig sind die Auslandsauslieferungen: Pkw und Pick-ups im Umfang von knapp 180.000 Einheiten bedeuten einen neuen Rekord und ein Wachstum von 124%. Damit entfielen rund 43% des BYD-Gesamtabsatzes auf Märkte außerhalb Chinas.
Parallel dazu blieben die Inlandsverkäufe mit etwa 239.000 Einheiten zwar rückläufig, der Rückgang schwächte sich aber deutlich ab. Unterm Strich wirkt BYD damit im Moment deutlich exportgetriebener als viele westliche Hersteller, die in China eher Gegenwind spüren.
Wer den technologischen Unterbau hinter BYDs Tempo einordnen will, findet bei uns auch spannende Beispiele aus dem Produkt- und Akku-Umfeld, etwa den angekündigten BYD-Feststoff-Akku-Plan ab 2027.
Chery und Geely: Export wächst schneller als der Heimatmarkt
Auch Chery und Geely nutzen den Export als Wachstumstreiber. Chery meldete rund 277.000 ausgelieferte Fahrzeuge, plus 23% gegenüber dem Vorjahr.
Bemerkenswert: Mit gut 202.000 exportierten Einheiten war Chery der erste chinesische Hersteller, der in einem einzelnen Monat die Marke von 200.000 Auslandsauslieferungen übertraf. Das ist ein starkes Signal, weil es nicht nur um einzelne Erfolgsmodelle geht, sondern um skalierbare Logistik und Fertigung.
Geely Auto steigerte den Gesamtabsatz auf rund 250.000 Fahrzeuge. Die Exporte lagen mit knapp 107.000 Einheiten den zweiten Monat in Folge über 100.000 und wuchsen um mehr als 200% gegenüber dem Vorjahr.
Rekorde bei Leapmotor und Zeekr, aber nicht alle Start-ups ziehen mit
Bei den jüngeren Marken stechen im Juli vor allem zwei Namen heraus. Leapmotor erreichte erstmals über 100.000 monatliche Auslieferungen, rund 101.000 Fahrzeuge, das sind plus 102% zum Vorjahr und gut 8% gegenüber Juni. Es war der vierte Rekordmonat in Folge.
Zeekr kam auf knapp 36.000 Auslieferungen und damit ebenfalls auf einen neuen Höchstwert, plus 111% im Jahresvergleich. Das Wachstum gegenüber Juni fiel allerdings mit unter 2% deutlich moderater aus.
Für Europa ist Leapmotor besonders relevant, weil Stellantis als Partner die Markterschließung mit beschleunigen kann. In welche Fahrzeugklasse die Marke zielt, ordnen wir hier ein: Leapmotor B03 als neues E-Auto zwischen ID. Polo und ID.3.
Nio, Xpeng und Li Auto: Jahresplus, aber Monat für Monat wackelig
Bei den bekannteren E-Auto-Start-ups sieht man dagegen ein wechselhaftes Bild. Nio lieferte im Juli rund 36.000 Fahrzeuge aus, das sind zwar 71% mehr als im Vorjahr, aber gut 11% weniger als im Juni. Damit endet eine Serie von drei Monaten mit steigenden Monatswerten.
Xpeng kam auf rund 38.000 Auslieferungen, ein moderates Plus von knapp 4%. Gleichzeitig blieb die Marke unter Händlererwartungen, als mögliche Ursache wurden knappe Liefermengen eines neuen Modells genannt. Für den europäischen Blickwinkel ist Xpeng ohnehin spannend, weil die Marke hier mittelfristig stärker in den Volumenmarkt will, unter anderem mit dem Xpeng Mona L03 für Europa.
Li Auto meldete rund 30.500 Auslieferungen und damit den dritten Rückgang in Folge im Jahresvergleich, wenn auch nur noch knapp unter dem Vorjahresniveau. Als Grund wurde ein vorübergehender Engpass bei einem Scheinwerferzulieferer genannt, der die Produktion eines batterieelektrischen SUV in der zweiten Julihälfte um rund 4.000 Einheiten unter Plan gedrückt habe.
Die Juli-Zahlen zeigen: Exportstärke ist aktuell der wichtigste Stabilitätsfaktor für Chinas große Autobauer, während viele Start-ups trotz Wachstum im Jahresvergleich stark von Lieferketten und Modellanläufen abhängen.
Weitere Hersteller: Xiaomi bleibt vage, Huawei-Partner HIMA rückläufig
Auch abseits der Top-Namen bleibt es gemischt. Der Huawei-nahe Verbund HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance) lag bei rund 45.000 Auslieferungen, knapp 5% weniger als im Vorjahr und damit der zweite Rückgang in Folge.
Xiaomi EV bestätigte erneut lediglich, die Marke von 30.000 Auslieferungen überschritten zu haben, ohne eine exakte Zahl zu nennen. Dazu kommen mittlere Player wie Deepal (Changan) mit rund 29.000 Einheiten und Arcfox (BAIC) mit rund 25.000 Einheiten, letztere mit starkem Wachstum im Jahresvergleich.
Die wichtigsten Juli-Zahlen im Überblick
| Hersteller/Marke | Juli 2026 (Auslieferungen/Verkäufe) | Entwicklung (aus den gemeldeten Angaben) | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| BYD (NEVs) | ca. 419.000 | +21,8% YoY | Export (Pkw/Pick-ups) ca. 180.000, +124% YoY, rund 43% Anteil am Gesamtabsatz |
| Chery Group | ca. 277.000 | +23% YoY | Export ca. 202.000, erstmals über 200.000 in einem Monat |
| Geely Auto | ca. 250.000 | Export +200%+ YoY | Export ca. 107.000, zweiter Monat über 100.000 |
| Leapmotor | ca. 101.000 | +102% YoY, +8% MoM | Erstmals über 100.000, vierter Rekordmonat in Folge |
| Zeekr | ca. 36.000 | +111% YoY, unter 2% MoM | Neuer Höchstwert, Wachstumstempo flacht ab |
| Nio | ca. 36.000 | +71% YoY, -11% MoM | Erster Monatsrückgang seit drei Monaten |
| Xpeng | ca. 38.000 | +4% YoY | Unter Erwartungen, limitierende Liefermengen eines neuen Modells genannt |
| Li Auto | ca. 30.500 | dritter Rückgang YoY, Minus zuletzt unter 1% | Zuliefer-Engpass drückt Produktion in der zweiten Julihälfte um ca. 4.000 Einheiten unter Plan |
| HIMA | ca. 45.000 | -5% YoY | Zweiter Rückgang in Folge |
| Xiaomi EV | über 30.000 | nicht genauer beziffert | Wie in den Vormonaten keine exakte Zahl genannt |
Einordnung für DACH: Mehr Export heißt mehr Preisdruck, aber auch mehr Auswahl
Wenn große chinesische Hersteller monatlich sechsstellige Exportvolumen erreichen, ist das ein struktureller Unterschied zu früher. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Europa dauerhaft stärker mit Fahrzeugen, Plattformen und Komponenten beliefert wird, statt nur einzelne Modellwellen zu sehen.
Für Käuferinnen und Käufer kann das positiv sein, weil Wettbewerb meist auf Preis, Ausstattung und Garantiebedingungen drückt. Gleichzeitig bleibt die große Aufgabe für viele Newcomer: verlässlicher Service, Teileversorgung und ein Händlernetz, das im Alltag funktioniert.
Und ja, das trifft auch Tesla und etablierte europäische Marken als Messlatte. Tesla bleibt in vielen Bereichen die Referenz bei Effizienz, Software und Lade-Ökosystem, aber der Markt wird härter. Wer die Größenordnung des Modellangebots aus China generell einordnen will, findet dazu Kontext in unserem Überblick: rund 650 neue und überarbeitete Modelle in sechs Monaten.



