Marketing-Bluff oder Design-Coup? Eklat um das neue Huawei-SUV Luxeed RX
In der chinesischen Automobilbranche gehört ein gewisses optisches "Anleihen-Nehmen" bei europäischen Luxusmarken fast schon zum guten Ton. Doch was sich im Juni 2026 rund um das brandneue Crossover-Modell Luxeed RX abspielt, sprengt den Rahmen einer gewöhnlichen Design-Debatte und entwickelt sich zu einem handfesten Wirtschaftskrimi. Das Gemeinschaftsunternehmen des Tech-Giganten Huawei und des Autobauers Chery hat sich mit einer vollmundigen Marketing-Behauptung den Zorn der wohl stolzesten Sportwagenmarke der Welt zugezogen: Ferrari.
Der Auslöser für den Clinch ist ein Social-Media-Post der Luxeed-Chefetage. Stolz verkündete das Management auf der Plattform Weibo, man befinde sich auf einer aggressiven Recruiting-Tour und habe neben Chassis-Experten von BMW und Aston Martin auch einen namentlich nicht genannten, "ehemaligen Ferrari-Chefdesigner" für das Projekt gewinnen können. Die Reaktion aus Maranello ließ nicht lange auf sich warten. Ferraris PR-Chefin in China forderte Luxeed in einem viel beachteten Post unmissverständlich auf, endlich den Namen dieses ominösen Designers zu nennen – schließlich lenkt Flavio Manzoni das Ferrari-Design bereits seit 2010 ununterbrochen. Der italienische Luxushersteller ist seit jeher dafür bekannt, seine Markenrechte und Identität mit aller juristischen Härte zu verteidigen.
Purosangue für die Massen: Design-Kopie trifft auf Huawei-Plattform
Ein Blick auf die Silhouette des Neulings zeigt im Nu, warum man in Italien extrem dünnhäutig reagiert. Der Luxeed RX – von der Huawei-Allianz HIMA selbstbewusst als „Fashion Utility Vehicle“ (FUV) betitelt – ist in seinen Proportionen, der muskulösen Heckpartie und der flachen, sportlichen Dachlinie eine unübersehbare Kopie des über 380.000 Euro teuren Ferrari Purosangue. Zwar unterscheidet sich der Chinese in den Abmessungen und an den Leuchtgrafiken an Front und Heck, doch die optische Ähnlichkeit ist frappierend. Damit zielt die Marke im Alltag direkt auf das Revier des extrem erfolgreichen Xiaomi YU7, das im vergangenen Sommer mit über 200.000 Vorbestellungen in den ersten drei Minuten den Markt schockte.
Unter dem emotional diskutierten Blechkleid steckt allerdings grundsolide Großserientechnik. Der Luxeed RX basiert auf Huaweis moderner "Giant Whale"-Plattform, die mit einem modernen 800-Volt-Bordnetz ausgestattet ist und extrem kurze Ladezeiten garantiert. Am HPC-Schnelllader lässt sich der Ladestand (SoC) der CATL-Batteriezellen in knapp 12 Minuten für die nächsten 300 Kilometer Autobahnfahrt fit machen. Der 5,02 Meter lange Crossover bietet dank eines Radstands von glatten 3,00 Metern üppige Platzverhältnisse im Cockpit, während Huaweis intelligentes Tuling-Fahrwerk mit adaptiven Luftfedern Wankbewegungen in schnell gefahrenen Kurven in Millisekunden ausgleicht.
| Technische Parameter & Specs | Luxeed RX Standard (Modelljahr 2026) | Luxeed RX Ultra AWD (Topmodell) |
|---|---|---|
| Antriebskonzept / Layout | Heckantrieb (RWD) / Single-Motor | Allradantrieb (AWD) / Dual-Motor |
| Dauer- & Peakleistung (Elektro) | 273 kW (371 PS) an der Hinterachse | 430 kW (586 PS) Systemleistung |
| Zusatzleistung (Vorderachse) | Nicht verfügbar | 157 kW (214 PS) Asynchronmotor |
| Höchstgeschwindigkeit (Vmax) | Elektronisch gedeckelt auf 200 km/h | Maximal 251 km/h (Performance-Peak) |
| Fahrzeug-Abmessungen (L x B x H) | 5.020 mm / 2.007 mm / 1.585 mm | 5.020 mm / 2.007 mm / 1.585 mm |
| Radstand & Platzangebot | 3.000 mm (5 Sitzplätze im Cockpit) | 3.000 mm (5 Sitzplätze im Cockpit) |
| Batterietechnologie / Zulieferer | NMC-Lithium-Ionen-Zellen von CATL | High-Rate NMC-Zellen von CALB |
| Software & Autonomie-Infrastruktur | Huawei ADS 4.0 mit Lidar & HarmonyOS 4 | Huawei ADS 4.0 mit Lidar & HarmonyOS 4 |
Real-World-Impact: Der Marsch nach Europa hat bereits begonnen
Für den realen Alltagsbetrieb und den weltweiten Markt besitzt diese Schlammschlacht eine enorme Sprengkraft. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es sich beim Luxeed RX keineswegs um ein reines Nischenprodukt für den chinesischen Heimatmarkt handelt. Huawei und Chery entwickeln das Fahrzeug von Beginn an mit Blick auf globale Exportmärkte. Da Chery mit seinen Volumenmarken wie Omoda oder Jaecoo – deren Kompakt-SUV Jaecoo 7 im vergangenen März überraschend die britischen Verkaufscharts anführte – bereits über eine funktionierende Logistik- und Vertriebsinfrastruktur in Europa verfügt, dürfte das Purosangue-Double schon bald auf europäischen Straßen auftauchen.
"Wir haben unser Engineering- und Design-Team im Zuge der Plattform-Entwicklung gezielt mit globalen Spitzenkräften verstärkt, um Ästhetik und Dynamik im Cockpit auf ein völlig neues Level zu heben. Der Luxeed RX vereint die fortschrittliche Software-Intelligenz von Huawei mit der industriellen Fertigungskompetenz von Chery. Dass das emotionale Design unseres Fahrzeugs im Juni 2026 im internationalen Vergleich für intensive Diskussionen sorgt, untermauert lediglich, dass wir die traditionelle automobile Hierarchie erfolgreich aufbrechen."
Der offizielle Marktstart des Luxeed RX ist in China für den kommenden Herbst fixiert. Erst zu diesem Zeitpunkt wollen die Partner die exakten Akkugrößen und die finalen Verkaufspreise kommunizieren – Branchen-Insider kalkulieren im Juni 2026 jedoch mit einer Preisspanne zwischen 38.000 und 48.000 US-Dollar, womit das SUV preislich exakt auf dem Niveau des Tesla Model Y rangiert. Bis die ersten Modelle Kurs auf den europäischen Kontinent nehmen, dürfte auch das Geheimnis um den mysteriösen Designer gelüftet sein. Sollte sich die Behauptung als haltloser Marketing-Fluff herausstellen, dürften die Anwälte aus Maranello dem ungestümen Treiben der Tech-Allianz ganz schnell einen juristischen Riegel vorschieben.



