Porsche bremst das E-Tempo, aber nicht die Richtung
Bei Porsche endet eine Ära: Albrecht Reimold, Vorstand für Produktion und Logistik, geht mit Ablauf seines Vertrags in den Ruhestand. In seinem Rückblick wird klar, warum die Marke beim Antriebsmix zuletzt wieder stärker auf Flexibilität setzt, ohne die Elektromobilität grundsätzlich infrage zu stellen.
Reimold beschreibt die Integration des Taycan ins Stammwerk Zuffenhausen als Karriere-Highlight. Für Porsche war das weniger ein normaler Modellanlauf, sondern ein struktureller Umbau des Standorts, inklusive neuer Prozesse und Kompetenzen für Hochvolttechnik und Batteriefertigungsketten.
"Wir haben früh erkannt, dass Elektromobilität ein wesentlicher Bestandteil der Mobilität der Zukunft sein wird. Daran hat sich nichts geändert."
Warum Porsche gerade wieder mehr Verbrenner und Plug-ins einplant
Der Premium-Elektromarkt entwickelt sich regional sehr unterschiedlich, und nicht überall so schnell, wie viele Hersteller vor ein paar Jahren kalkuliert haben. Genau diese langsamere Dynamik ist der Grund, warum Porsche Benziner länger im Programm hält und Plug-in-Hybride wieder mehr Gewicht bekommen.
Das ist weniger ein Rückzieher als ein klassisches Risikomanagement: Wer mehrere Antriebsarten parallel beherrscht, kann die Produktion besser auf reale Nachfrage ausrichten. Für Kunden bedeutet das in der Praxis: weniger harte Brüche bei Modellwechseln und mehr Auswahl je nach Use Case, etwa für Langstrecken, Dienstwagenprofile oder Regionen mit schwächerer Ladeinfrastruktur.
Taycan: keine Abwicklung, sondern Anpassung an den Markt
Dass der Taycan nach dem starken Start nicht mehr überall gleich gut läuft und die Fertigung in diesem Jahr teils unterbrochen wird, ist ein sichtbares Symptom der schwankenden Nachfrage. Reimold stellt dennoch klar, dass das Modell für Porsche weiterhin eine Schlüsselrolle spielt, vor allem als Technologie-Träger der Marke.
"Der Taycan ist und bleibt ein bedeutendes Fahrzeug für uns."
Wichtig ist dabei ein Detail: Porsche reagiert laut Reimold regional mit angepasster Variantenvielfalt. Übersetzt heißt das, dass Angebot und Konfigurationen stärker danach getrimmt werden, was in einzelnen Märkten tatsächlich bestellt wird, statt überall dieselbe Breite vorzuhalten.
Elektrischer 718: Porsche zieht das Projekt durch
Als nächster großer Schritt steht die neue 718-Reihe an, die rein elektrisch kommen soll. Dass es Stimmen gibt, die Boxster und Cayman nur als EV für riskant halten, ist Porsche bewusst, dennoch läuft die Umsetzung laut Reimold „mit Hochdruck“.
Sein Versprechen: Auch ein elektrischer 718 soll die typischen Porsche-Eigenschaften mitbringen. Und ja, er kündigt an, sich selbst einen zu kaufen, sobald er verfügbar ist. Das wirkt wie ein bewusstes Signal an die Community, dass es nicht nur ein Pflichtprogramm ist, sondern ein Kernprojekt.
Absatz H1 2026: minus 16% insgesamt, China besonders schwach
Porsche hat im ersten Halbjahr 2026 weltweit 122.306 Fahrzeuge ausgeliefert, das sind 16% weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich fällt der Rückgang in China aus, was sich auch auf Ertrag und Auslastung auswirkt.
| Region | Auslieferungen H1 2026 | Veränderung |
|---|---|---|
| Weltweit | 122.306 | -16% |
| Deutschland | k. A. | -6% |
| Europa (ohne Deutschland) | k. A. | -14% |
| Nordamerika | k. A. | -13% |
| China | k. A. | -32% |
| Übersee und Wachstumsmärkte | k. A. | -18% |
Reimold betont, dass eine belastbare Prognose zum künftigen Absatz aktuell nicht seriös sei. Der Fokus liege ohnehin nicht auf maximalem Volumen, sondern auf der Balance aus Wachstum, Profitabilität und Exklusivität, also dem Markenkern von Porsche.
Was das für E-Auto-Fans im DACH-Raum bedeutet
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist an der Porsche-Aussage vor allem eines interessant: Die Marke hält an Elektroprojekten fest, setzt aber stärker auf Produktions- und Portfolio-Flexibilität. Das kann am Ende sogar positiv sein, weil es Engpässe und hektische Strategie-Schwenks reduziert.
Der Taycan bleibt als elektrische Speerspitze wichtig, während der elektrische 718 die nächste Bewährungsprobe wird. Parallel ist klar: Porsche will sich nicht in eine Ecke drängen lassen, sondern je nach Markt reaktionsfähig bleiben, auch wenn das heißt, Verbrenner und Plug-in-Hybride länger mitzunehmen.
Einordnung: Premium-EVs unter Druck, aber der Trend bleibt
Dass Premium-Stromer nicht in jedem Markt so schnell wachsen wie geplant, trifft nicht nur Porsche. Gleichzeitig zeigt der Wettbewerb, wie hart Reichweite, Effizienz und Ladegeschwindigkeit inzwischen verglichen werden. Wer sich dafür interessiert, wie weit die Messlatte bei Reichweiten aktuell liegt, findet bei uns auch das Reichweiten-Ranking 2026 mit E-Autos über 900 km WLTP.
Und weil Schnellladen im Alltag oft wichtiger ist als reine Prospektwerte, lohnt sich auch der Blick auf die Plattformfrage: 800V vs. 400V, welche E-Auto-Architektur du 2026 wirklich brauchst.
Passender Kontext aus dem Konzern
Beim Thema Kostendruck und Personal ist Porsche nicht allein. Wie angespannt die Lage in Teilen der deutschen Autoindustrie ist, zeigt auch der Blick zu anderen Herstellern, etwa bei Porsche und den Diskussionen um weiteren Stellenabbau trotz Standortgarantie.



