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Rivian-CEO sieht Autoindustrie am Scheideweg, nicht der Antrieb ist das Problem, sondern die Software

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

18. Juli 2026·4 Min. Lesezeit
Rivian-CEO sieht Autoindustrie am Scheideweg, nicht der Antrieb ist das Problem, sondern die SoftwareBild: Rivian

Rivian-Chef RJ Scaringe warnt: Wer 2026 bis 2028 weiter auf Verbrenner und Hybride setzt, riskiert ab Ende der 2020er technologisch abgehängt zu werden. Sein Kernpunkt: Moderne E-Autos werden über Software und zentrale Rechner-Architektur entschieden, nicht nur über den Motor.

Rivian-Chef Scaringe: Die Branche steht am "Scheideweg"

Rivian-Gründer und CEO RJ Scaringe beschreibt die aktuelle Lage der Autoindustrie als Scheideweg. Seine Warnung ist klar: Hersteller, die sich weiter stark auf Verbrenner fokussieren, könnten ab Ende der 2020er und zu Beginn der 2030er Jahre technologisch deutlich zurückfallen.

Der kurzfristige Anreiz ist nachvollziehbar. Scaringe hält es für möglich, dass 2026 bis 2028 aus Sicht der Profitabilität für einige Unternehmen besonders attraktiv wirkt, mehr Benziner oder Hybride zu verkaufen. Gleichzeitig sieht er genau darin die Gefahr, später bei Plattformen, Elektronik und Software den Anschluss zu verlieren.

Scaringe warnt, dass Autobauer, die am Verbrenner festhalten, zum Ende der 2020er und Anfang der 2030er technologisch "kläglich zurückliegen" könnten.

Warum laut Rivian nicht der Akku entscheidet, sondern die Software-Architektur

Scaringes Hauptkritik richtet sich nicht nur auf den Antrieb, sondern auf die Softwareentwicklung und die zugrunde liegende Elektronik-Architektur. Klassische Verbrenner-Plattformen arbeiten oft mit vielen verteilten Steuergeräten und Chips im ganzen Fahrzeug. Das macht Systeme komplexer und teurer.

Sein Gegenentwurf ist eine zentralisierte Rechner-Architektur, also weniger, dafür leistungsfähigere zentrale Computer. Damit ließen sich laut Scaringe die Produktionskosten um Tausende von Dollar senken.

Real-World-Impact: Was das für E-Autofahrer im Alltag bedeutet

Für Fahrer ist das kein Nerd-Detail, es ist Alltag. Eine zentralere Architektur kann bedeuten: schnellere Updates, weniger Software-Brüche zwischen Assistenzsystemen, Infotainment und Ladeplanung sowie tendenziell weniger Fehlerquellen, weil weniger Einzelmodule zusammenspielen müssen.

Und sie ist die Basis für Funktionen, die viele heute erwarten: bessere Assistenzsysteme, stabilere App-Anbindung und effizientere Energie- und Lade-Strategien. Wer sich für das Thema interessiert, findet bei uns den technischen Kontext in 800V vs. 400V: Welche E-Auto-Architektur brauchst du 2026?.

Rivian unter Druck: R2 soll den Weg aus der Verlustzone bringen

Rivian selbst steht wirtschaftlich unter Zugzwang. Das Unternehmen hat 2025 einen Verlust von 3,6 Milliarden US-Dollar gemeldet, getrieben durch hohe Investitionen in das kommende R2-Modell und in autonomes Fahren.

Auch an der Börse ist der Druck sichtbar: Nach dem Börsengang mit einer Bewertung von über 100 Milliarden US-Dollar liegt der Unternehmenswert aktuell bei rund 25 Milliarden US-Dollar.

Kennzahl Wert
Rivian Verlust (2025) 3,6 Milliarden US-Dollar
Bewertung zum Börsengang > 100 Milliarden US-Dollar
Aktueller Marktwert (rund) 25 Milliarden US-Dollar
VW Joint Venture (2024) 5,8 Milliarden US-Dollar
Uber Investment 1,25 Milliarden US-Dollar
Robotaxi-Volumen im Deal 50.000 Fahrzeuge

Partnerschaften als Turbo: VW-Software-Deal und Uber-Robotaxi-Pläne

Um technologisch und finanziell schneller zu skalieren, setzt Rivian auf große Partner. Bereits 2024 wurde ein Gemeinschaftsunternehmen mit Volkswagen im Umfang von 5,8 Milliarden US-Dollar vereinbart, mit Fokus auf Elektro-Technologie und Software. Das ist auch für europäische Hersteller spannend, denn genau dort entscheidet sich, ob kommende Modelle bei Bedienung, Updates und Assistenzsystemen mit den Tech-Vorreitern mithalten.

Zusätzlich ist Uber mit 1,25 Milliarden US-Dollar eingestiegen, verbunden mit einem Deal, der den Verkauf von 50.000 Robotaxis ermöglichen könnte. Wer Robotaxi-Entwicklung grundsätzlich verfolgt, findet Einordnung bei uns unter E-Lkw-Ranking 2026: Deutschland nur auf Platz 7 in Europa, weil man dort gut sieht, wie stark Regulierung und Flottenkunden neue Technologien treiben.

"Kein Interesse an E-Autos"? Rivian hält das für eine Ausrede

Scaringe widerspricht dem Narrativ, Käufer hätten grundsätzlich kein Interesse an Elektroautos. Für ihn zeigt die anhaltende Dominanz von Tesla Model 3 und Tesla Model Y in den USA eher, dass es zu wenig Auswahl mit überzeugendem Gesamtpaket gibt.

Das passt zu dem, was viele Fahrer in Europa kennen: Nicht nur Reichweite zählt, sondern Preis, Ladenetz, Software und Lieferzeiten. Wenn du konkrete Modelle vergleichen willst, helfen unsere Tesla-Checks, etwa zur Tesla Model Y Modellpflege mit 16-Zoll-Screen sowie die Tesla Model 3 Kaufberatung 2026.

Europa-Pläne: Rivian R2 soll kommen, R1T und R1S bleiben vorerst draußen

Rivian plant, den R2 auch in Europa anzubieten. In Deutschland sind bereits Rivian-Fahrzeuge im Alltag unterwegs, allerdings als für Amazon gebaute E-Commerce-Lieferwagen.

Die großen ersten Rivian-Modelle, R1T (Pick-up) und R1S (SUV), sind nach aktuellem Stand nicht für Deutschland und weitere Länder der Region vorgesehen. Denkbar ist dagegen, dass später noch kleinere Baureihen unterhalb des R2 folgen, etwa der angekündigte R3.

Elektroquatsch-Meinung: Wer jetzt bei Software spart, zahlt später doppelt

Die spannendste Aussage ist nicht "E statt Verbrenner". Der eigentliche Hebel ist, ob Hersteller ihre Fahrzeuge als Software-Plattform denken, mit zentraler Elektronik, schnellen Iterationen und klaren Update-Pfaden.

Für Käufer heißt das: Beim nächsten Autokauf lohnt es sich, stärker auf Update-Politik, Bedienung, Assistenzsysteme und Lade-Integration zu achten. Reichweite und kW sind wichtig, aber das Gefühl, ob ein Auto in zwei Jahren besser oder nur nerviger wird, entscheidet sich an der Software-Architektur.

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