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Studie warnt: Lithium und seltene Erden könnten bis 2045 zum Engpass für E-Autos werden

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

18. Juli 2026·4 Min. Lesezeit
Studie warnt: Lithium und seltene Erden könnten bis 2045 zum Engpass für E-Autos werdenBild: KI-generiert

Eine neue Fraunhofer-Analyse zeigt, wie stark Elektromobilität, Energiewende und Digitalisierung den Rohstoffbedarf bis 2045 verschieben könnten. Besonders Lithium, Graphit sowie schwere seltene Erden für E-Motoren stehen im Fokus, Recycling und neue Lieferketten werden zum entscheidenden Faktor.

Rohstoffbedarf für E-Autos steigt, und zwar nicht nur bei Lithium

Elektromobilität, Energiewende und Digitalisierung schieben die globale Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen spürbar an. Das ist das Kernergebnis einer aktuellen Fraunhofer-Auswertung zu „Rohstoffen für Zukunftstechnologien“, erstellt im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur.

Untersucht wurden 34 Zukunftstechnologien und 14 Rohstoffe. Für zwölf Metalle kommt die Studie zum Ergebnis, dass der Bedarf der betrachteten Technologien im Jahr 2045 in der Größenordnung der globalen Produktion von 2023 liegen könnte, oder sogar darüber.

Wichtig: Die Berechnungen sind keine Prognose, sondern zeigen mögliche Entwicklungspfade. Für E-Autofahrer ist die Richtung trotzdem relevant, denn sie entscheidet über Preise, Lieferzeiten und Technikentscheidungen bei Batterien und Motoren.

Was bedeutet das im Alltag, Preis und Technik beim E-Auto hängen an Rohstoffen

Wenn Rohstoffe wie Lithium, Graphit oder bestimmte seltene Erden knapp werden, landet das nicht nur in Industrie-Reports. Es kann sich ganz konkret auswirken, zum Beispiel über höhere Batteriepreise, langsamere Modellanläufe, oder mehr Druck auf Hersteller, auf alternative Zellchemien und motorseitig auf Designs ohne seltene Erden umzusteigen.

Parallel wächst die Bedeutung von Recycling und lokaler Verarbeitung, weil Versorgungssicherheit zunehmend ein Wettbewerbsvorteil wird.

Welche Rohstoffe besonders unter Druck geraten könnten

Iridium: Treiber ist Wasserstoff, nicht das E-Auto

Den stärksten Nachfrageanstieg sieht die Studie bei Iridium. Der Haupttreiber ist Wasserelektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff, vor allem für die Dekarbonisierung von Stahl- und Chemieindustrie.

Lithium: Batterien könnten den Bedarf bis 2045 verfünffachen

Für E-Autos zentral ist Lithium. In einem betrachteten Szenario könnte sich der Bedarf durch Batterietechnologien bis 2045 verfünffachen. Das wäre ungefähr viermal so viel wie die weltweite Lithiumproduktion 2023.

Das erklärt auch, warum Hersteller parallel an Alternativen arbeiten, etwa an Natrium-Ionen-Zellen. Wenn dich das interessiert, schau dir unseren Überblick zur Natrium-Ionen-Batterie an.

Graphit: Anodenmaterial könnte Produktion deutlich übersteigen

Auch Graphit für leistungsfähige Lithium-Ionen-Speicher könnte in einem Szenario die bisherige Produktion deutlich übertreffen. Für den Alltag heißt das: Alles, was die Anodenseite entlastet, etwa neue Materialmixe oder Recycling, wird wichtiger, um Batteriekosten stabil zu halten.

Dysprosium und Terbium: seltene Erden für E-Motoren und mehr

Bei Dysprosium und Terbium erwartet die Studie ebenfalls einen deutlichen Nachfrageanstieg. Die schweren Seltenerdelemente sind unter anderem relevant für Traktionsmotoren in E-Autos, zudem für Windkraft, Wärmepumpen und Klimaanlagen.

Dass China als wichtiger Lieferant den Handel mit seltenen Erden und anderen Rohstoffen zuletzt wiederholt eingeschränkt hat, macht die Abhängigkeit besonders sichtbar.

Scandium, Platin und Ruthenium: Brennstoffzellen und KI-Rechenzentren als Treiber

Bei Scandium sehen die Forschenden vor allem durch stationäre Brennstoffzellen einen starken Anstieg. Der Ausbau von Rechenzentren und KI treibt laut Studie unter anderem die Nachfrage nach Platin und Ruthenium.

Neue Bergwerke reichen nicht, die Verarbeitung ist der Flaschenhals

Ein zentraler Punkt: Mehr Rohstoffabbau allein löst das Problem nicht. Laut einer im Bericht zitierten Schätzung der Internationalen Energieagentur wären in den kommenden zehn Jahren rund 60 Milliarden US-Dollar nötig, um diversifizierte Lieferketten für Seltenerdmagnete aufzubauen.

Der Großteil dieser Investitionen müsste in Raffination, Trennung und Magnetproduktion fließen. Das sind genau die Prozessschritte, die oft geopolitisch konzentriert sind, und die am Ende über stabile Lieferfähigkeit entscheiden.

Recycling wird zur Schlüssel-Technologie für stabile E-Auto-Preise

Die Fraunhofer-Forschenden leiten daraus einen klaren Handlungsauftrag ab: breiter aufgestellte Lieferketten, effizienterer Materialeinsatz, mehr Recycling und Ersatzmaterialien. Rohstoffverfügbarkeit müsse schon bei der Entwicklung neuer Technologien mitgedacht werden.

Für die Elektromobilität sind die Ergebnisse kein Argument gegen den Hochlauf, sondern ein Arbeitsauftrag: Kreislaufwirtschaft, Verarbeitungskapazitäten und alternative Bezugsquellen müssen rechtzeitig industriell wachsen.

Der praktische Vorteil gegenüber Öl und Gas bleibt: Batteriematerialien sind nicht nach einmaliger Nutzung „weg“, sondern können grundsätzlich zurückgewonnen und erneut eingesetzt werden.

Elektroquatsch-Meinung: Das nächste Wettrennen heißt Rohstoffketten, nicht nur Reichweite

Für Käufer wird die Frage spannender, welche Hersteller ihre Supply Chain und ihr Batterie-Recycling im Griff haben. Das wirkt oft leise im Hintergrund, kann aber in zwei Jahren über Modellverfügbarkeit und Preisaktionen entscheiden.

Gleichzeitig zeigt die Studie, warum der technologische Mix wichtiger wird: effizientere Autos, alternative Zellchemien und der Ausbau der Ladeinfrastruktur, damit kleinere Akkus alltagstauglicher werden. Wenn du tiefer ins Laden einsteigen willst, hilft unser Ladeanbieter-Vergleich 2026, und für Technik-Fans der Vergleich 800V vs. 400V.

Kernaussagen der Studie im Überblick

Thema Studien-Aussage bis 2045 (Szenarien) Warum das für E-Autos wichtig ist
Iridium Besonders starker Nachfrageanstieg, Treiber ist Wasserelektrolyse Indirekt relevant, weil Energiewende-Projekte mit der Autoindustrie um Rohstoffe konkurrieren
Lithium Bedarf könnte sich verfünffachen, etwa 4x weltweite Produktion 2023 Direkter Einfluss auf Batteriekosten, Produktionsmengen und Zellchemie-Strategien
Graphit Nachfrage könnte bisherige Produktion deutlich übersteigen Relevant für Anodenmaterial, Preis und Verfügbarkeit von Lithium-Ionen-Batterien
Dysprosium, Terbium Deutlich steigende Nachfrage Wichtig für bestimmte Motor- und Magnetkonzepte, plus Konkurrenz durch Windkraft und Wärmepumpen
Lieferketten IEA-Schätzung: ca. 60 Mrd. US-Dollar in 10 Jahren nötig für diversifizierte Seltenerdmagnet-Ketten Raffination und Magnetproduktion sind kritische Engpässe, die Verfügbarkeit und Preise beeinflussen
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