Kein reiner Stromer: Mercedes knickt vor US-Händlern beim Mini-G ein
Die unbarmherzige Realität des globalen Automobilmarktes zwingt Mercedes-Benz zu einem bemerkenswerten strategischen Wendepunkt. Ursprünglich war die für 2027 angekündigte kompakte Variante der legendären G-Klasse – in Fankreisen liebevoll „Baby-G“ oder „Little G“ genannt – als reines Elektroauto geplant. Nun rrudern die Stuttgarter offiziell ein Stück zurück. Wie Michael Schiebe, CEO von Mercedes-AMG und verantwortlich für die G-Klasse-Sparte, bestätigte, wird der kleine Offroader neben einer vollelektrischen Variante nun doch mit hocheffizienten Verbrennungsmotoren vom Band laufen.
Der Grund für das Umdenken liegt vor allem auf der anderen Seite des Atlantiks. Das unmissverständliche Feedback der US-amerikanischen Mercedes-Händler ließ der Konzernspitze im Grunde keine Wahl: Ohne einen kraftvollen Verbrenner unter der Haube wäre der kompakte Lifestyle-Geländewagen auf dem extrem wichtigen nordamerikanischen Markt von vornherein nahezu chancenlos. Um dem verlangsamten Elektro-Hochlauf in den Staaten zu begegnen und maximale taktische Flexibilität zu wahren, spendieren die Ingenieure dem Fahrzeug nun ein flexibles Doppelherz.
Miniatur-Leiterrahmen trifft CLA-Technik: Die Technik des Baby-G
Technologisch geht Mercedes beim kleinen Bruder der Offroad-Ikone keine faulen Kompromisse ein. Anstatt den Wagen einfach auf eine weiche, sterile Crossover-Plattform zu stellen, spendiert die G-GmbH dem Fahrzeug eine komplett eigenständige Mischarchitektur. Das Fundament bildet ein echter Miniatur-Leiterrahmen, der die unverwüstliche Geländegängigkeit und die kernige G-DNA im rauen Alltag absichert. Gekoppelt wird diese robuste Offroad-Basis mit modernsten Elektronik- und Antriebskomponenten der neuen MMA-Plattform, die auch im aktuellen Mercedes CLA zum Einsatz kommt.
Als Verbrenner wird nach aktuellen Brancheninformationen ein hocheffizienter, in Kooperation mit Horse Powertrain entwickelter 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbomotor (M252) Einzug halten. Dieser wird an ein am Getriebe montiertes Elektromodul gekoppelt, um im urbanen Pendelverkehr rein elektrisches Rangieren oder effizientes Segeln zu ermöglichen. Auf der vollelektrischen Seite fährt der Baby-G mit dem hochentwickelten eATS 2.0 Allradantrieb vor. Die verbaute 85 kWh große NMC-Lithium-Ionen-Batterie nutzt ein modernes 800-Volt-Bordnetz, das am HPC-Schnelllader den Ladehub von 10 auf 80 Prozent Ladestand (SoC) in knapp 20 Minuten erledigt und eine WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern anpeilt.
| Technische Parameter & Specs | Mercedes-Benz „Little G“ Hybrid (2027) | Mercedes-Benz „Little G“ Electric (2027) |
|---|---|---|
| Antriebskonzept & Achsen | Allradantrieb (4MATIC) mit Mild-Hybrid-Modul | Dual-Motor Allrad (eATS 2.0) mit 2-Gang-Getriebe |
| Verbrennungsmotor / Hubraum | 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo (M252) | Reines Elektrofahrzeug (Zero Emission) |
| Erwartete Systemleistung | Ca. 140 kW (190 PS) bis 184 kW (250 PS) | Ca. 260 kW (354 PS) im g 350 EQ Trim |
| Batteriekapazität / Bordnetz | 1,3 kWh Pufferbatterie (48V-System) | 85 kWh Lithium-Ionen-Akku (800V-Technologie) |
| Reale Reichweite (WLTP-Ziel) | Klassische Verbrenner-Reichweite (~800 km) | Bis zu 724 Kilometer (Hocheffiziente Rundzellen) |
| DC-Schnellladeleistung (Peak) | Nicht verfügbar (Tanken in 3 Minuten) | Bis zu 250 kW am High-Power-Charger (HPC) |
| Karosserie-Abmessungen | Ca. 4,45 m Länge (Auf GLB- und GLA-Niveau) | Ca. 4,45 m Länge (Kompakter Urban-Cruiser) |
| Erwarteter Einstiegspreis | Ab ca. 60.000 bis 65.000 Euro | Ab ca. 70.000 bis 75.000 Euro |
Real-World-Impact: Strategiewechsel sichert die G-Marge
Für den realen Alltagsbetrieb der Händler und Kunden im Jahr 2026 ist dieser Manöverschritt von Ola Källenius absolut folgerichtig. Zwar zeigt sich Mercedes mit dem Absatz der großen, unbarmherzig teuren elektrischen G-Klasse (G 580 mit EQ-Technologie) offiziell zufrieden, doch die Neuzulassungen im Luxussegment stagnieren spürbar. Indem man den kleinen, rund 4,45 Meter langen Bruder fit für fossile Brennstoffe und Strom macht, sichert der Konzern die extrem margenstarke G-Submarke gegen Marktschwankungen ab und spricht eine deutlich jüngere, urbane Zielgruppe an.
Optisch bleibt das Mini-Modell im Straßenbild sofort als echtes Mitglied der G-Familie erkennbar. Erste Erlkönig-Aufnahmen enthüllen eine radikal kantige Silhouette mit einer fast senkrechten Heckklappe, ausgestellten Kotflügeln und runden LED-Frontscheinwerfern. Auch das ikonische, außenliegende Gehäuse an der Hecktür bleibt erhalten – fungiert beim Verbrenner als Reserveradhalter und beim Elektro-Modell als praktische, wetterfeste Box für das Ladekabel. Das Cockpit wird komplett vom neuen MB.OS-Betriebssystem und dem eindrucksvollen MBUX-Superscreen dominiert, was den rustikalen Charme perfekt in das digitale Zeitalter katapultiert.
"Die G-Klasse ist eine weltweite Institution und lebt von ihrer kompromisslosen Authentizität. Um den Charakter des großen Bruders fehlerfrei in eine kompaktere Dimension zu übertragen, haben wir uns bewusst gegen eine weiche Crossover-Plattform entschieden. Das Feedback unserer Händler im internationalen Vertrieb hat uns zudem klar gezeigt, dass wir im Jahr 2026 und darüber hinaus maximale Flexibilität bei den Antrieben benötigen. Der 'Little G' wird im ersten Halbjahr 2027 genau die Power liefern, die der Markt fordert."
Der offizielle Serienanlauf des Kompakt-Offroaders wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet. Ob beide Antriebsarten direkt zum Verkaufsstart zeitgleich im Konfigurator landen, steht in Stuttgart derzeit noch unternehmensintern zur Debatte. Sicher ist jedoch, dass Mercedes mit diesem Hybrid- und EV-Doppelpack eine unbarmherzige Attacke auf das Segment des kommenden Rivian R2 oder des Land Rover Defender Sport reitet. Die eiserne G-Klasse-Familie wächst – und sie passt sich im Cockpit der Realität an.



