Mercedes im Q2 2026: BEV plus 51%, aber Gegenwind bei Umsatz und China
Mercedes-Benz kommt bei der Elektrifizierung spürbar voran, auch wenn das Umfeld 2026 alles andere als entspannt ist. Im zweiten Quartal stieg der Absatz der vollelektrischen Pkw (BEV) bei Mercedes-Benz Cars im Jahresvergleich um 51% auf 52.852 Einheiten. In Europa fiel das Wachstum mit 87% noch deutlich stärker aus, ein wichtiges Signal für den DACH-Markt, in dem neue Modelle und Lieferfähigkeit gerade über Kaufentscheidungen mitbestimmen.
Parallel dazu ging der Gesamtabsatz von Mercedes-Benz Cars um 7,9% auf 417.765 Fahrzeuge zurück. Treiber dieser Schwäche ist vor allem China, während Europa und die USA zulegen konnten. Unterm Strich zeigt sich damit ein bekanntes Muster: BEV-Wachstum ist möglich, aber regionale Marktzyklen und Preisdruck können die Gesamtrechnung trotzdem belasten.
Wichtige Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Q2 2026 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| BEV-Absatz (Mercedes-Benz Cars) | 52.852 Fahrzeuge | +51% |
| BEV-Wachstum Europa | k. A. (Wachstumsrate) | +87% |
| Gesamtabsatz Mercedes-Benz Cars | 417.765 Fahrzeuge | -7,9% |
| Absatz China | k. A. (Einheiten) | -30% |
| Umsatz Konzern | 32,1 Mrd. Euro | leicht gesunken |
| EBIT Konzern | 1,5 Mrd. Euro | gestiegen |
| EBIT Mercedes-Benz Cars (berichtet) | 49 Mio. Euro | stark gesunken |
| EBIT Mercedes-Benz Cars (bereinigt) | 909 Mio. Euro | k. A. |
| Bereinigte Umsatzrendite Cars | 4% | innerhalb Prognose (3 bis 5%) |
| Netto-Liquidität Industriegeschäft | 30,4 Mrd. Euro | hoch, trotz Ausschüttungen/Rückkäufen |
Europa zieht, China bremst, und genau das sieht man in der Marge
In China sank der Absatz um 30%. Mercedes nennt dafür intensiven Wettbewerb, eine verhaltene Nachfrage sowie laufende Modellwechsel. Für europäische Leser ist das relevant, weil China bei Premium-Herstellern häufig über Skalierung und Profitabilität mitentscheidet, auch wenn die Autos am Ende in Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf dem Hof stehen.
Zusätzlich schlugen Wertminderungen in Höhe von 704 Mio. Euro auf Beteiligungen in China auf das Ergebnis von Mercedes-Benz Cars durch. Das berichtete EBIT fiel dadurch auf 49 Mio. Euro, bereinigt lag es bei 909 Mio. Euro. Heißt praktisch: Operativ ist noch Geld im System, aber Sonder- und Bewertungseffekte können ein Quartal optisch komplett umdrehen.
„Die Resonanz unserer Kundinnen und Kunden auf die neuen Modelle ist sehr positiv. Der Absatz unserer elektrischen Pkw stieg um 51 Prozent, der BEV-Auftragseingang in Europa hat sich im Quartal mehr als verdoppelt.“
Prognose für 2026 steigt: mehr elektrifizierte Fahrzeuge im Mix
Mercedes hebt die Prognose für den Anteil elektrifizierter Fahrzeuge (xEV) am Absatz im Gesamtjahr an. Statt 21 bis 23% erwartet der Konzern nun 23 bis 25%. Für den Alltag im Markt ist das vor allem dann spürbar, wenn mehr Fahrzeuge tatsächlich verfügbar sind und nicht nur angekündigt werden.
Bemerkenswert ist außerdem die Aussage, dass der Hochlauf neuer vollelektrischer Modelle in der zweiten Jahreshälfte den Mix stützen soll. Damit verschiebt sich das Gewicht von „Ankündigung“ zu „Auslieferung“, was gerade bei Flotten und Dienstwagenbestellungen in der DACH-Region entscheidend ist.
Modelloffensive bleibt: CLA, GLB, elektrischer GLC sowie nächste Starts
Die Modelloffensive umfasst laut Mercedes mehr als 40 neue Modelle zwischen 2025 und 2027. Der neue CLA und der GLB tragen bereits zum Absatz bei. Für den elektrischen GLC meldet Mercedes hohe Auftragsvolumina, die die Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte stützen sollen.
Auch jenseits der reinen BEV-Themen laufen parallel weitere Bausteine an, etwa neue Generationen von Kernbaureihen. Entscheidend ist dabei weniger die Anzahl der Premieren als die Lieferfähigkeit, die Preispositionierung und die Ladeperformance im Alltag, also Reichweite bei Autobahntempo und Ladezeit von 10 auf 80%.
Passend dazu hatten wir bereits beleuchtet, dass die Lieferzeiten für Mercedes CLA und GLC EV teils bis in den Herbst reichen. Und wer den nächsten Kompakt-SUV im Blick hat: Der neue Mercedes GLA als EQA-Nachfolger spielt in dieser Phase ebenfalls eine Schlüsselrolle.
Vans und Finanzsparte stabilisieren, VLE läuft an
Bei Mercedes-Benz Vans stieg der Absatz vollelektrischer Vans im Quartal um 46,4%. Gleichzeitig blieb die bereinigte Umsatzrendite der Sparte mit 10,2% erneut zweistellig. Im Juni startete im Werk Vitoria in Spanien die Serienproduktion des neuen elektrischen VLE, dem ersten Fahrzeug auf Basis der modularen Van-Architektur.
Auch Mercedes-Benz Financial Services lieferte: Das bereinigte EBIT stieg um 70% auf 492 Mio. Euro, die bereinigte Eigenkapitalrendite lag bei 15,3%. In der Gesamtschau zeigt das, warum Hersteller bei schwankender Autokonjunktur gern auf Finanzdienstleistungen als Ergebnisanker setzen.
Einordnung für den DACH-Markt: Warum die Zahlen trotzdem relevant sind
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Q2-Bild zweigeteilt. Positiv ist das starke BEV-Wachstum in Europa, weil es typischerweise mit mehr Marketingdruck, besserer Verfügbarkeit und teils aggressiveren Leasingraten einhergeht. Gleichzeitig bremst China die Gesamtperformance, was Hersteller oft zu Kostendisziplin und Priorisierung bei Projekten zwingt.
Im direkten Vergleich zur Tesla-Welt ist interessant: Tesla fährt traditionell ein deutlich schlankeres Modellportfolio, Mercedes dagegen eine breite Modell- und Variantenstrategie. Beides kann funktionieren, aber es setzt unterschiedliche Hebel, etwa bei Produktionskomplexität, Lieferketten und Marge, wenn der Markt gerade preissensibel ist.
Wer sich für die Entwicklung bei Mercedes im Detail interessiert: Wir haben bereits berichtet, dass Mercedes die E-Auto-Verkäufe im Q2 2026 um 50% steigern konnte, mit einem besonders starken Europa-Plus.
Ausblick aus den Unternehmenszahlen: Fokus auf Kosten und Produktivität
Auf Konzernebene sank der Umsatz im zweiten Quartal auf 32,1 Mrd. Euro, das EBIT stieg jedoch auf 1,5 Mrd. Euro, unter anderem durch laufende Kostenmaßnahmen. Für das Gesamtjahr rechnet Mercedes beim Konzernumsatz und beim Absatz von Mercedes-Benz Cars nun mit einem Niveau leicht unter dem Vorjahr.
Unterm Strich: Mercedes zeigt, dass sich BEV-Wachstum auch 2026 durchsetzen kann, vor allem in Europa. Gleichzeitig bleibt klar, wie stark der Premium-Markt von China und von Ergebnis- sowie Bewertungseffekten abhängt. Für die zweite Jahreshälfte wird entscheidend, wie viele der neuen E-Modelle wirklich auf die Straße kommen und zu welchen Konditionen.



