BMW unter Druck: China, Wettbewerb und geopolitische Risiken
BMW stellt sich spürbar veränderten Marktbedingungen: schwächere Nachfrage in China, intensiverer Wettbewerb in mehreren Regionen, dazu strengere Regulierung und geopolitische Konflikte. Diese Gemengelage hat im zweiten Quartal 2026 auch die Zahlen belastet. Das Vorsteuerergebnis sank um 35,1% auf 1,697 Milliarden Euro.
Der seit Mai amtierende Konzernchef Milan Nedeljković ordnet die Entwicklung als im Rahmen der angepassten Prognose ein, macht aber auch klar, dass die Ergebnisse der ersten beiden Quartale nicht zufriedenstellend seien. Als zentralen Treiber für die Prognoseanpassung im Juni nennt BMW eine schnelle, deutliche Verschlechterung der Lage in China. Zusätzlich wirken Zölle, Handelsbarrieren, Wechselkurse und wachsende regulatorische Anforderungen.
Q2 2026 im Überblick
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Vorsteuerergebnis (Konzern) | 1,697 Milliarden Euro | 35,1% unter Vorjahr |
| Hauptbelastungen | China, Wettbewerb APAC, Nahostkonflikt | zusätzlich Zölle, FX, Regulierung |
| Europa: BEV-Absatz | mehr als +33% | starker Gegenpol zu China |
Fixkosten runter, Strukturen schlanker: Personalprogramm und Prozess-Umbau
Kurzfristig will BMW bereits laufende Kostensenkungen beschleunigen und Fixkosten nachhaltig drücken. Erste Effekte sollen ab dem kommenden Jahr sichtbar werden. Mit dem Gesamtbetriebsrat wurde dafür ein Personalstrukturprogramm vereinbart, inklusive eines freiwilligen Aufhebungsprogramms für indirekte Funktionen in Deutschland.
Im Raum steht zudem ein Stellenabbau von rund 8.000 Jobs, wie in Berichten kolportiert wird. Für Beschäftigte und Standorte im DACH-Raum ist entscheidend, wie stark die Maßnahmen tatsächlich in die Teams eingreifen und ob BMW die Einsparungen eher über Fluktuation, Programme auf freiwilliger Basis und Prozessautomatisierung realisiert.
Passend dazu: Wir haben den laufenden Sparkurs bei BMW bereits im Kontext der neuen Konzernführung beleuchtet, inklusive der möglichen Größenordnung. BMW Stellenabbau 2026 und die neuen Sparziele.
Vier Hebel: Vertrieb, Organisation, Einkauf und Entwicklung
BMW hat die eigene Wertschöpfungskette durchleuchtet und Maßnahmen in vier Bereichen angestoßen: Customer Journey, Organisationsstrukturen, Lieferanten und Einkauf sowie Entwicklung. In Europa wird ein neues Vertriebsmodell weiter ausgerollt, das den Wechsel vom klassischen Wholesaler-Ansatz hin zu einem Retailer-Modell vorsieht. Gleichzeitig sollen Kundenkontaktpunkte optimiert und Daten stärker für zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten genutzt werden.
Innerhalb der Organisation spielt künstliche Intelligenz eine klare Rolle: Prozesse sollen automatisiert und beschleunigt werden, außerdem soll KI die Entscheidungsfindung unterstützen. Im Einkauf wird die globale Verteilung der Wertschöpfung überprüft, inklusive einer stärkeren Local-for-Local-Logik. In der Entwicklung setzt BMW auf Standardisierung und gemeinsame technische Lösungen, um schneller in die Serie zu kommen.
Elektro-Strategie: „Neue Klasse“ als Wachstumstreiber
Während das Umfeld insgesamt rauer wird, bleibt die E-Offensive für BMW ein Lichtblick. In Europa legten die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel zu. In den USA wiederum wuchsen laut BMW vor allem die Verbrenner zweistellig, was zeigt, wie stark die Nachfrage je Markt aktuell auseinanderläuft.
Die Markteinführung der neuen Elektroauto-Plattform „Neue Klasse“ läuft nach Konzernangaben planmäßig. BMW erwartet als nächsten Meilenstein 100.000 Bestellungen für die jüngste Generation des SUV iX3. Im Werk Debrecen (Ungarn) wurde dafür vorzeitig eine zweite Schicht eingeführt. Seit Start der Serienproduktion wurden dort bereits 50.000 Fahrzeuge des ersten Neue-Klasse-Modells gefertigt.
Auch die kommende i3-Limousine soll gut ankommen: Für die zunächst angebotene „Launch Edition“ meldet BMW eine starke Nachfrage, der reguläre Bestellstart ist für Ende September vorgesehen. Wer tiefer in die Technik eintauchen will: Unsere Einordnung zur Plattform und den erwarteten Lade- und Effizienzvorteilen findest du in BMW Neue Klasse mit 800 Volt, Reichweite und Lade-Speed sowie im Update zum BMW iX1 mit Neue-Klasse-Boost.
„Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu: Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen. Daher gilt es, schlank und agil zu sein.“
Milan Nedeljković, CEO der BMW Group
Modelloffensive und China-Sonderweg mit Langversionen
BMW hält am Tempo fest: Bis Ende nächsten Jahres will der Konzern 40 neue und überarbeitete Modelle auf den Markt bringen. Für China sind zudem Langversionen von iX3 und i3 geplant, die in Shenyang produziert werden und Technologien lokaler Unternehmen integrieren sollen. Das ist eine klassische Local-for-Local-Strategie, die in China zunehmend wichtig wird, um Preisdruck, Features und digitale Ökosysteme vor Ort besser zu treffen.
Der Konzern prüft außerdem, welche Technologien, Modellvarianten und Antriebsstränge künftig benötigt werden und wo neue Partnerschaften wirtschaftlich sowie technologisch sinnvoll sein könnten. Als bereits erzielte Fortschritte nennt BMW unter anderem Kosteneinsparungen von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 sowie die Konsolidierung des Händlernetzes in China.
Was das für E-Auto-Käufer im DACH-Raum bedeutet
Für Kundinnen und Kunden ist die Richtung klar: BMW versucht, gleichzeitig Kosten zu senken und die Produktpipeline hochzufahren. Wenn das gelingt, kann das mittelfristig auch bei Preisen, Ausstattungspaketen und Software-Tempo ankommen, weil schnellere Entwicklung und stärkere Standardisierung üblicherweise Skalenvorteile bringen.
Interessant ist außerdem, dass BMW den Absatzrückgang in China teilweise durch Europa und die USA abfedern konnte. Europa bleibt damit ein Schlüsselmarkt für BMWs Elektro-Pläne. Für alle, die sich besonders für Lade- und Reichweitenleistung interessieren, passt als Kontext auch unser Reichweiten-Ranking 2026 mit Blick auf die Top-WLTP-Werte.



